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Mein lieber Herr Gesangsverein, die Waldfee holt die Kuh vom Eis CD

Autor / Illustrator: Lars Ruppel
Seitenzahl: 130
Erscheinungsjahr / Verlag: Random House Audio Köln 2017
ISBN: 9783837137552
Preis: 14,99
Genre: Lyrik
Thema:
Zielgruppe: für Arbeitsbücherei

Kurze Inhaltsangabe

Ruppel liest im Studio ohne Publikum. Schade, denn seinen wahren Sog entfaltet er erst im persönlichen Bezug zum Publikum. Die CD kann allerdings eben dort hinführen: balladesker Non- und Sense!

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Die Doppel-CD umfasst Lesungen zu den beiden Büchern "Holger, die Waldfee" und "Die Kuh vom Eis" - beide allerdings nicht live, sondern im Studio aufgenommen. Für den Hörer, der Lars Ruppel (bisher) nicht live erleben durfte, ist die Doppel-CD durchaus in Ordnung, schafft sie doch den Sprung der klassischen Ballade in die Welt der Daumenkinder auf dem Smartphone.

Ruppel personifiziert Redensarten und stellt die Menschen in je einen neuen Kontext. Aus "Holladi" wird "Holger, die ..." aus "voll karacho" wird "Volker Racho", aus "Donner und Doria" werden "Donna und Dorian". Es sind zwölf plus elf Gedichte, Balladen, Kleinode, die Lars Ruppel erschafft, indem er kleine Redensarten wörtlich nimmt und eine eigene Welt dahinter sichtbar macht. Dabei bezieht er deutlich auch politische Position, stellt Politiker bloß oder in einen Zusammenhang mit der von ihm geschaffenen Situation: "Nicht einmal ein Schatten fällt ohne ein Licht / im typisch moralischen Ruppelgedicht" reimt er in "Ach du grüne Neune", das mit der Strophe endet: "Das ist die Menschheit, so wie man sie kennt: / Wärmt sich am Feuer, das sich selber verbrennt. / Sie knabbert das Fleisch von der eigenen Hand. / Die Geschichte ist fertig, das Ende bekannt."

Er stellt seine Lyrik gegen die Angst und Verdummung der Menschen ("... denn wer Angst hat, denkt nicht viel ..."), empfiehlt Geschichtsunterricht gegen sogenannte "einfache Lösungen", das "Blaue vom Himmel" gegen dreiste Lügen und konstatiert: "Hass beginnt, / wo Liebe endet".

Ruppels Gedichte sind lang (je zwischen 4 und 7 Minuten). Die Balladen haben ihre Spannungsbögen wie in den klassischen der deutschen Literatur, sind gereimt (a-a-b-b oder auch a-b-c-b), verzichten jedoch auf ein klassisches Versmaß.

Man sollte, m u s s Lars Ruppel mindestens einmal auf der Bühne erlebt haben. Seine fast rappende Vortragsweise mit unterschiedlichen Tempi vorgetragen ziehen die Zuhörer arg in den Bann, die Fläche für die Zuhörer ist immer zu klein, der Applaus groß. Befreiendes Lachen wechselt mit höchster Zuhörer-Konzentration, die dennoch viele Feinheiten nicht aufnehmen können, da sie in hoher Geschwindigkeit und fast nebenläufig vorgetragen werden.

Gut also, dass es dieses Buch gibt, an dem auch Jugendliche ab etwa 12 Jahren schon Freude haben können. Die älteren und Erwachsene sowieso.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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