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Meine Mutter, sein Exmann und ich

Autor / Illustrator: T.A. Wegberg
Seitenzahl: 256
Erscheinungsjahr / Verlag: Rowohlt Reinbek 2017
ISBN: 9783499217593
Preis: 12,99
Genre: Erzählung / Roman
Thema: Außenseiter / Familie / Freundschaft / Gender / Geschlecht / Emanzipation / Jugend / Adoleszenz / Junge / Mann / Liebe / Mädchen / Frau / Sexualität / Sexualaufklärung / Spannung / Konflikt
Zielgruppe: Büchereigrundstock Klassenlesestoff

Kurze Inhaltsangabe

Der Titel verrät schon, dass sich dieses Buch mit dem Thema Transsexualität befasst.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Joschka, im Buch 15 Jahre alt und Schüler der 9. Klasse, hat als Kind die Scheidung seiner Eltern verkraften müssen.

Als wenn das nicht schon genug wäre, eröffnet seine Mutter ihm und seiner Zwillingsschwester Litka, dass sie sich schon lange im falschen Körper wähnt und eine Hormonbehandlung mit anschließender Geschlechtsumwandlung vornehmen wird. Da ist er gerade zehn Jahre alt.

Joschka ist das alles fürchterlich peinlich. Er hält zwar den Kontakt weiter aufrecht, zieht aber zu seinem Vater und vermeidet jedes gemeinsame Erscheinen mit seiner nun allmählich männlich werdenden Mutter, erzählt jahrelang keinem seiner Freunde davon.

Zu Litka hat er nach wie vor ein enges Verhältnis, sie akzeptiert die Umwandlung ihrer Mutter zum Mann Frederik vorbehaltlos. Und obwohl ihn die Nähe zwischen den beiden und seine Ausgeschlossenheit ärgert, dauert es lange, bis er die Reife erlangt, zu ihr zu stehen.

Im Verlauf der Geschichte rückt die Geschichte der Mutter vorübergehend in den Hintergrund, sie bleibt ihm peinlich und er möchte nicht mit ihr zusammen gesehen werden, aber seine eigenen Probleme werden wichtiger: Endlich kann er engeren Kontakt zu seiner schon lange angehimmelten Mitschülerin Emma aufbauen und zu seiner großen Überraschung erwidert sie seine Zuneigung.

Emma imponiert ihm, sie engagiert sich, ist zielstrebig, sagt vorbehaltlos ihre Meinung und steht dazu – alles Dinge, zu denen ihm der Mut fehlt. Außerdem entsteht ganz langsam und vorsichtig eine Beziehung zu dem sich merkwürdig verhaltenden Sebastian, der in der Klasse argwöhnisch beobachtet und gleichzeitig ignoriert wird.

Zum Entsetzen Joschkas beschließt die Klasse, an einem Wettbewerb mitzuarbeiten, der sich genau mit „seinem“ Thema beschäftigt. Das stürzt ihn zusätzlich in Konflikte: Wer, wenn nicht er, könnte sich besser äußern? Aber dann müsste er sein Geheimnis preisgeben und das will er auf gar keinen Fall.
Doch Emma ist Feuer und Flamme ….

Der Autor erzählt sensibel und feinfühlig von den emotionalen Nöten seines Protagonisten. Die Sprache ist flott und locker, lakonisch und humorvoll trotz der Ernsthaftigkeit des Themas. Direkt und unverkrampft geht Litka mit den Gegebenheiten um, er verhält sich trotzig, verzweifelt und peinlich berührt.

Es wird in rasantem Tempo, mit vielen kleinen Parallelgeschichten, fast ausschließlich aus Sicht der beiden Kinder erzählt; was „Mutter Frederik“ durchmacht, ist nicht Thema des Buches.

Ganz allmählich erkennt Joschka, wie schmerzhaft es auch für seine Mutter war, von ihm verleugnet zu werden und wie souverän sie es dennoch toleriert hat. Am Ende outet er sich vor seinen Freunden und ist erstaunt, wie gelassen sie sein Geständnis aufnehmen.

Ein wirklich empfehlenswertes Buch, das auch als Klassenlektüre sehr geeignet ist.
Denn in welcher Schulklasse gibt es keinen Mitschüler, der bei den Themen Homo- und Transsexualität „blöde“ Witze macht?

Und in welcher Schulklasse gibt es keine / keinen Betroffenen?

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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