Bundesverband Leseförderung e.V.
Wir lesen, weil wir die Welt verstehen und gestalten wollen

Buchtipp Archiv

Wazn Teez?

Autor / Illustrator: Ellis Carson
Seitenzahl: 48
Erscheinungsjahr / Verlag: Nord-Süd Zürich 2017
ISBN: 9783314103865
Preis: 16,00
Genre: Bilderbuch
Thema: Sprache / Natur / Umweltschutz
Zielgruppe: Büchereigrundstock Klassenlesestoff für Arbeitsbücherei

Kurze Inhaltsangabe

Ein wunderschönes Buch vom Staunen über die Einfachheit der Natur, aber auch über den Spaß am Rätseln über eine erfundene Sprache.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Der Inhalt des Buches lässt sich in mehreren Ebenen erzählen:

Die erste Ebene ist einfach: Aus der Erde sprießt ein Keim, wird größer, bekommt Blätter, wächst und wächst, bis eine Blume erblüht, verblüht, in sich zusammensinkt und um sich Samen verstreut. Nach dem Winter sprießen viele kleine Keime aus der Erde...

Die zweite Ebene, das sind die Insekten und Tierchen, die das Wachsen der Pflanze beobachten, begleiten, von der Pflanze Besitz ergreifen, sie sich also zu Eigen machen. Sie werden immer mehr und immer vielfältiger und weder eine Spinne noch ein großer Vogel können sie nachhaltig vertreiben. Doch als im Herbst die Blume an Kraft verliert, da ziehen sich die Insekten auch zurück. Herrlich, wie Ellis Carson die Vielfalt der Insektenwelt gestaltet, erfindet, ihnen menschliche Züge gibt. Wunderbar auch, wie immer die Pflanze im Mittelpunkt der Insektenwelt steht.
Die Bilder zeigen immer wieder genau den gleichen Bildraum: links ein Baumstamm, rechts die wachsende Pflanze. Sind die Bilder zu Beginn noch leer und recht öd, füllen sie sich nach und nach, werden belebter, voller, der Baumstamm öffnet sich, aber auch die Pflanze bekommt eine Leiter, ein Baumhaus, eine Piratenflagge.

Die dritte Ebene, das ist die Sprache. Ursprünglich in einem "Fantasie-Amerikanisch" geschrieben (Originaltitel: "Du Iz Tak") ist das Buch von Jess Jochimsen und Anja Schöne kongenial in ein Fantasie-Deutsch übersetzt worden: Wenige, eigenständige Wörter mit zum Teil für das Deutsche untypischen Wortbildungsstrukturen ("Izzi, miwi betta an Sprossel.") laden dazu ein, nach Übersetzungen und Analogien zu suchen, ihnen Bedeutung zu geben. Das ist deswegen so einladend, weil es Dekodiersignale gibt, "an Sprossel" ist z. B. ein Artikel + Nomen - möchte man meinen. Und "Sprossel", das ist doch ähnlich wie "Sprössling", "Spross". Und schon hat man den Anfang einer Übersetzung. Aber sind die Analogien so eindeutig? Oder kann man auch ganz anderes darin lesen? Für viele Kinder ist es ein großer Spaß, die Sprache zu dekodieren, ihr Sinn zu verleihen, nach Regeln zu suchen.

Und so ist das Buch im Deutschunterricht der Grundschule eine große Bereicherung, denn mit der Suche nach Sprachregeln wird auch immer wieder auf das eigene Regelwissen über die deutsche Sprache zurückgegriffen, es werden aus Analogien neue Regeln gebildet und dadurch ein Prozess der Sprachreflexion angeregt. Ob man das stark gelenkt und zielorientiert tut oder ob man sich darauf verlässt, dass das Buch genug Aufforderungscharakter hat, dass die Kinder das von selbst machen, das mag mit dem jeweiligen Unterrichtsstil gekoppelt werden. Auf jeden Fall sollte man aber darauf achten, dass den Kindern der Spaß an diesem großartigen Buch nicht dadurch genommen wird, dass es allzu einseitig und plump als Unterrichtsmaterial genutzt wird.

Christoph Jantzen, AJuM Hamburg

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
← zurück zum Archiv
Bundesverband Leseförderung e.V. | Rathausstr. 37a | 52072 AachenTelefon: +49 (0)700 / 28 537 361 | Sprechzeiten: Di. 15–17 Uhr, Do. 10–12 Uhr
Ein Anruf aus dem deutschen Festnetz kostet:
Mo – Fr von 9 – 18 Uhr: 6,3 ct/30 Sekunden, übrige Zeit: 6,3 ct/Minute
Email: info@bundesverband-lesefoerderung.de© 2009 - 2019 by Bundesverband Leseförderung e.V.