Bundesverband Leseförderung e.V.
Wir lesen, weil wir die Welt verstehen und gestalten wollen
About us [Info in English]
Spenden Sie Leseförderung – so einfach geht's...

Newsletter & MailChimp

Seit Ende Mai, mit Einzug der neuen DSGVO, hat der Bundesverband sich für eine neue Mailplattform entschieden. Fortan nutzen wir MailChimp®, um regelmäßig über Aktuelles zu berichten. Wenn Sie mehr über die Verbandsarbeit, neue wissenschaftliche Erkenntnisse und die Möglichkeiten der Leseförderung erfahren und automatisch informiert werden möchten, können Sie hier unseren
Newsletter abonnieren

In eigener Sache

Das Warterich

Mitglied im

Buchtipp Archiv

Stromer

Autor / Illustrator: Sarah V. & Claude K. Dubois
Seitenzahl: 72
Erscheinungsjahr / Verlag: Moritz Frankfurt 2017
ISBN: 9783895653421
Preis: 12,95
Genre: Bilderbuch
Thema: Ungleichheit / Obdachlosigkeit
Zielgruppe: Büchereigrundstock Klassenlesestoff

Kurze Inhaltsangabe

Obdachlosigkeit, Einsamkeit, Kälte und Wärme, Nähe und Distanz. In Text und Bild werden die Gefühle des obdachlosen Stromer dargestellt.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Ein Tag im Leben eines Obdachlosen: Morgens aufstehen in der Kälte, Sehnsucht nach Wärme und Essen, Ablehnung spüren und ihr aus dem Weg gehen, keine Kraft mehr haben, sich einfach ein wenig fallenlassen. Aber auch Nähe und Mitgefühl.

Ein Tag im Leben eines Kindes: Morgens aufstehen, ab zur Schule. Nach der Schule mit Mama in den Park, spielen, Keks essen. Und da begegnen sie sich: Der Obdachlose, der morgens nicht einmal seinen Namen wusste und im Park versucht, sich vor der Welt zu verstecken und doch von dem Mädchen gesehen wird. Es gibt ihm einen Keks, ein Lächeln und einen Namen: Teddy.

Eine karge Geschichte, aber sehr dicht, sehr stimmig. Viel wird gar nicht über den Text erzählt, sondern über die Bilder: Graue Zeichnungen, voller Unschärfen und Andeutungen, schemenhaft, mit wenigen Farben koloriert. Die Menschen sind meist gesichtslos und anonym. Perspektivisch sind wir mal dicht am Zentrum des Bildes, mal weit weg, mal hinter dem Protagonisten, mal schauen wir ihm ins Gesicht. Oder wir sehen, was er sieht: Den Briefträger, der ihn an seine Vergangenheit erinnert, ein Kind im Buggy, den verdüsterten Himmel.

Durch das Zusammenspiel von Text und Bild werden die Stimmungen transportiert, die Verschwommenheit des Lebens, das auf ganz einfache Bedürfnisse reduziert ist, die doch nicht so einfach zu befriedigen sind. Obdachlosigkeit wird hier nicht pädagogisiert, nicht beurteilt, sondern dargestellt. Darin liegt die Stärke dieses Buches. Es gibt keine Lösung, die Wende in der Handlung ist klein: Ein Lächeln, ein Name, der verschafft vielleicht ein bisschen mehr Selbst-Bewusstsein. Mehr nicht.

Das Buch gibt Anlass, über das eigene Verhältnis zu und Verhalten gegenüber Obdachlosen nachzudenken. In der Schule ist es geeignet, darüber zu sprechen. Es lässt dabei viele Haltungen zu. Es wirft Fragen auf (z. B. warum der Mann seinen Namen nicht weiß, warum er von einer Stelle, an der er sich hinlegt, weggeschickt wird), gibt zu denken über die Gründe für die Obdachlosigkeit und warum das Buch keine Stellung bezieht.

Der deutsche Titel ist vielleicht etwas unglücklich gewählt. Der Begriff "Stromer" für "Landstreicher" ist wenig verbreitet und nur eingeschränkt deutungsoffen. Der Originaltitel "Bonhomme" ist vieldeutiger: Männchen, (komischer) Kerl, Mann, Schneemann. Der Begriff ist in Frankreich viel geläufiger als "Stromer" im Deutschen.

Insgesamt ist trotzdem ein Buch geglückt, das ein wichtiges Thema treffend in Text und Bild erzählt und viele Zugänge ermöglicht.

Christoph Jantzen, AJuM Hamburg

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
← zurück zum Archiv
Bundesverband Leseförderung e.V. | Rathausstr. 37a | 52072 AachenTelefon: +49 (0)700 / 28 537 361 | Sprechzeiten: Di. 15–17 Uhr, Do. 10–12 Uhr
Ein Anruf aus dem deutschen Festnetz kostet:
Mo – Fr von 9 – 18 Uhr: 6,3 ct/30 Sekunden, übrige Zeit: 6,3 ct/Minute
Email: info@bundesverband-lesefoerderung.de© 2009 - 2018 by Bundesverband Leseförderung e.V.