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Die Königinnen der Würstchen

Autor / Illustrator: Clémentine Beauvais
Seitenzahl: 288
Erscheinungsjahr / Verlag: Carlsen Hamburg 2017
ISBN: 9783551556776
Preis: 16,99
Genre: Erzählung / Roman
Thema: Abenteuer / Außenseiter / Behinderung / Ethik / Philosophie / Freundschaft / Jugend / Adoleszenz / Krieg / Medien / Schule / Schüler / Streit / Konflikt
Zielgruppe: Büchereigrundstock

Kurze Inhaltsangabe

Mireille, Astrid und Hakima wurden von ihren Mitschülern zur bronzenen, silbernen und goldenen Wurst des Jahres gewählt - weil sie angeblich besonders hässlich sind. Doch die drei zeigen der Welt den Stinkefinger. Sie fahren mit dem Fahrrad nach Paris,
denn auf der Nationalfeiertagsparty der Präsidentin hat jede von ihnen noch etwas ganz Persönliches zu erledigen...

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Viele haben sich an der Abstimmung auf Facebook beteiligt, die Mireilles ehemaliger Sandkastenfreund Malo initiiert hat. Und viele haben für die hässlichen Kommentare unter den "Bewerbungs"fotos ihr Likezeichen gesetzt. Während Mireille schon einige Erfahrung mit Mobbing hat und das Geschehen zumindest äußerlich an sich abprallen lässt, sind Astrid und Hakima am Boden zerstört. Die drei kannten sich bisher gar nicht, doch bei einem spontanen abendlichen Treffen springt der Funke sofort über. Zufällig haben alle drei Mädchen wirklich gute Gründe, sich bei der Gartenparty im Elysée-Palast einzuschleichen, und so steht der Plan schnell: Mit drei alten Fahrrädern, einem noch älteren Verkaufsanhänger und Hakimas kriegsversehrtem Bruder Kader als Aufpasser - er fährt im Sportrolli vorneweg - machen sich die drei auf ihre einwöchige Tour nach Paris. Ihr Finanzierungsplan: Würstchenverkauf.

Was als kleine, private Fahrradtour beginnt, wird zum medialen Hype. Ein Zeitungsartikel über die fiese "Wurst-des-Jahres-Wahl" bringt den Stein ins Rollen. Zum Schluss begleiten sogar Kamerateams das ungewöhnliche Quartett. Doch die jungen Leute lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Für sie zählen andere Dinge: Hakima will dem Oberst seinen Orden von der Brust reißen, der dafür verantwortlich ist, dass ihr Bruder keine Beine mehr hat. Astrid will "Indochine" live sehen, die Band, deren Songs ihr den Alltagsfrust erträglich machen. Und Mireille, die will ihren leiblichen Vater dafür zur Rede stellen, dass er sich nie um sie gekümmert hat. Dieser leibliche Vater ist niemand Geringerer als der Ehemann der Präsidentin, Klaus, der "hässliche Typ, mit dem Mireilles Mutter ins Bett gestiegen ist".

Die 15-jährige Ich-Erzählerin Mireille strotzt vor Sarkasmus. In ihrem Inneren jedoch ist sie tief verletzt. Von ihrem Vater, der Karriere gemacht hat, während ihre Mutter das Feld geräumt hat. Von Malo, den sie getröstet hat, als seine Mutter starb, und der jetzt über ihren "fetten Schwabbelhintern" und ihr "Kartoffelkinn" höhnt. Von all den Mitschülern, die gemein zu ihr sind. Mireille ist gebildet und klug und verfügt über eine außerordentliche Schlag- und Sprachfertigkeit. Sie bringt Dinge auf den Punkt. Hinter ihrer coolen, oft abweisenden Fassade verbirgt sich eine echte Freundin. Auch Astrid und Hakima sind taffe Mädchen, auf die man sich verlassen kann. Sie sind erst dabei zu lernen, sich in ihrer Umwelt zu behaupten. Auf seiner Tour nach Paris wächst das ungleiche Trio zusammen.

Clémentine Beauvais bringt in ihrer Erzählung die ganze Internet-Mobbing-Palette auf den Tisch. Kein Erwachsener fühlt sich zuständig, weder Malos Eltern, noch die Schule, noch die Polizei stoppen die Wurst-Wahl. Informationen breiten sich im Internet mit rasender Geschwindigkeit aus. Die vier sind binnen weniger Tage bekannt wie bunte Hunde. Sie erhalten viel moralische Unterstützung, aber es gibt auch sehr viele bösartige, anonyme Kommentare im Internet. Und natürlich gibt es jede Menge Medienvertreter, die die Bekanntheit der Tour für ihre Zwecke nutzen wollen. Letzten Endes ziehen die jungen Leute einfach ihr Ding durch. Und das hat nur sehr begrenzt etwas mit Mobbing zu tun, sondern vor allem mit familiären Themen.

"Die Königinnen der Würste" ist ein Jugendbuch der Spitzenklasse. Hochwertige Sprache, hervorragend ausgearbeitete Charaktere, aktuell, differenziert, einfühlsam und trotzdem spritzig und unterhaltsam.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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