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The Hate U Give

Autor / Illustrator: Angie Thomas
Seitenzahl:
Erscheinungsjahr / Verlag: cbj München 2017
ISBN: 9783570164822
Preis: 17,99
Genre: Erzählung / Roman
Thema: Rassismus / Mädchen / Frau / Adoleszenz
Zielgruppe: Büchereigrundstock

Kurze Inhaltsangabe

Die 16-jährige Starr lebt in einem schwarzen Viertel, geht aber auf eine vorwiegend von Weißen besuchte Schule. Als es auf einer Party zu einer Schießerei kommt, bringt Khalil, ihr Freund aus Kindertagen, sie in Sicherheit. Allerdings wird er bei einer Polizeikontrolle vor ihren Augen erschossen. Daraufhin kommt es zu Unruhen unter der schwarzen Bevölkerung wegen der augenscheinlichen Polizeiwillkür. Und Starr als einzige Zeugin weiß zunächst nicht, wie sie sich verhalten soll.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Authentizität ist das Schlagwort, um Angie Thomas‘ Erstling treffend zu bewerten. In der Anlage des Romans spiegeln sich die Erfahrungen einer Frau wider, die in Jackson, Mississippi, im tiefsten Süden der USA, den noch immer gegenwärtigen Rassismus sowie den Umgang der Polizei mit der schwarzen Bevölkerung erlebt hat. Dennoch ist keine politische Kampfschrift herausgekommen, sondern ein Adoleszenzroman, der die Hauptfigur und ihre Konflikte mit der Situation im Zentrum hat. Darüber hinaus ergibt sich eine sehr gelungene Milieuschilderung. Am Ende findet ein Glossar, in dem Begriffe der schwarzen Subkultur erklärt werden.

Die 16-jährige Starr kommt mit keiner glatten Biographie daher: Die ersten Jahre wuchs sie ohne Vater auf, weil der im Knast saß, die Vaterrolle übernahm der Onkel, ein Polizist, mit zehn wurde ihre beste Freundin vor ihren Augen erschossen, sie besucht als eine der wenigen Schwarze eine weiße Schule, sie muss den Spagat zwischen dieser Welt und der ihres Viertels bewältigen und ihr Freund ist ein Weißer. Das klingt überladen, ist es aber nicht, sondern in Starrs Fall einfach glaubhafte Realität. Und Starr kommt trotz all dieser Erfahrungen gut mit ihrem Leben klar, bis ihr Freund Khalil bei einer Polizeikontrolle erschossen wird. Denn als einzige Zeugin des Vorfalls muss sie sich entscheiden, wie sie sich verhalten will: Den Mund halten? Oder die Wahrheit sagen und sich den Medien und der Öffentlichkeit aussetzen? Keine leichte Entscheidung in einem Viertel, in dem der Kontakt mit der weiß dominierten Polizei vermieden wird. Dazu kommt, dass das Bild, das Starr von Khalil hat, Risse bekommt: Ist er doch ein Drogendealer, wie viele behaupten? Oder ein Gang-Mitglied?

Letztlich entschließt sich das Mädchen, zunächst anonym, zu einer Aussage, um festzustellen, dass ihrer Aussage auch vor Gericht nicht der nötige Wert zugemessen wird und der weiße Polizist entlastet wird. In diesem Zusammenhang gelingt es Thomas ganz besonders, den Einfluss der Medien auf solche sozialen Sprengstoff beinhaltenden Prozesse (es kommt nicht einmal zu einer richtigen Anklage) darzustellen. Irgendwann gibt Starr ihre Anonymität auf, sieht sich damit aber auch Anfeindungen aus ihrem Viertel ausgesetzt, vor allem als es um den Einfluss der Gangster geht, denen ihr im Viertel hoch angesehener Vater einst eine Absage erteilte.

Die Darstellung aller Figuren ist Thomas einfach glaubwürdig gelungen und man fühlt mit ihnen und kann aufgrund der klaren Milieuschilderungen auch ihre Gefühle und die Beweggründe für ihre Entscheidungen nachvollziehen. So werden dem Leser„von unten“ die Werte dieser Bevölkerungsgruppe vermittelt oder welche Bedeutung die Religion, schwarze Bürgerrechtler wie Martin Luther King oder Personen aus der Musikszene haben.

Alles in allem ein sehr lesenwerter und gelungener Roman.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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