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Tistou mit dem grünen Daumen

Autor / Illustrator: Maurice Druon, Jacqueline Duheme
Seitenzahl: 143
Erscheinungsjahr / Verlag: dtv München 2017
ISBN: 9783423761802
Preis: 16,95
Genre: Erzählung / Roman
Thema: Krieg, Frieden
Zielgruppe: Büchereigrundstock

Kurze Inhaltsangabe

Tistou besitzt eine einmalige Gabe: Er kann buchstäblich alles zum Leben erwecken, indem er es zum Blühen bringt. Jeder noch so verborgene Samen entwickelt sich unter seinem Daumen zu einer Blütenpracht. Das nutzt er, um die Welt ein bisschen besser zu machen.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Tistou ist ein ganz besonderer Junge. Seine Eltern sind reich, sein Vater besitzt eine Waffenfabrik. Die Geschäfte laufen gut, denn Kanonen lassen sich immer verkaufen. Regenschirme kauft keiner, wenn die Sonne scheint. Kanonen schon. Die Geschäfte laufen also prächtig und Kimmelkorn, die Stadt, in der Tistou geboren wurde, ist weltbekannt durch ihre Kanonen. In seinem achten Lebensjahr kommt Tistou in die Schule. Doch in der Schule klappt nicht alles so, wie es soll, der Junge schläft immer wieder ein. Er muss die Schule verlassen und sein Vater denkt sich für ihn eine ganz außergewöhnliche Erziehungsmethode aus: „Er soll die Dinge, die man können muss, unmittelbar aus der Anschauung lernen.“ (S.29) Den ersten neuen „Schultag“ verbringt er bei dem Gärtner Schnurrebart, und der entdeckt, dass Tistou einen grünen Daumen hat, ein verborgenes Talent. Die Töpfe, die er mit Erde füllen soll, sind nach kurzer Zeit voll mit blühenden Begonien, die normalerweise zwei Jahre brauchen, um diese Pracht zu entwickeln. Mit dieser Erkenntnis lässt sich so Einiges ändern in der trostlosen Stadt. Das Gefängnis ist viel zu grau. Tistou lässt Blumen blühen. Keiner weiß, wie die Pracht an dem doch eher ungemütlichen Ort entstanden ist, aber es wird im ganzen Land bekannt. Es soll nicht der einzige Ort bleiben an dem es in Kimmelkorn anfängt zu blühen. Das Barackenviertel, das Krankenhaus sind viel zu trist und da sollen doch Menschen leben und Krankheiten geheilt werden. Es müssen Blumen her, beschließt Tistou und lässt es blühen. Dann gelingt ihm ein ganz besonderer Coup. Zwei Völker, die Geh-Wegs und die Komm-Hers, planen einen Krieg, da sie sich um ein Stück Land streiten, dass bisher niemanden interessiert hat. Natürlich soll sein Vater die Waffen liefern, und zwar an beide Seiten, wie das so ist mit der Rüstungsindustrie. Tistou´s grüner Daumen ändert alles. Kanonen, aus denen Blumen sprießen, die dann auch abgefeuert werden, die gab es noch nie, und ein Krieg kann so auch nicht geführt werden. So kommt es, und das ist sicherlich einmalig, dass aus einer Waffenfabrik eine Blumenfabrik wird. Der schönste Werbespruch lautete: „Sagt Nein zum Krieg – aber sagt es mit Blumen!“ So könnte die Geschichte immer weitergehen, doch das tut sie nicht, denn eines Tages baut Tistou eine Leiter aus Blumen, die bis zum Himmel führt. Er klettert hinauf und verschwindet. „Tistou war ein Engel!“

Was für eine Geschichte! Wir sind gerührt und fasziniert von der Sprache und den einmaligen Ideen des Autors. Druon hat selbst einen Weltkrieg miterlebt und war in der Zeit des Kalten Krieges Kultusminister in Frankreich (1973). Er hat die Hochrüstung (1980er Jahre) erlebt und musste wie viele andere auch täglich hoffen, dass es keine militärische Auseinandersetzung gibt. Dieser aufrührende und eindringliche Appell für den Frieden darf den Kindern und Jugendlichen von heute nicht verheimlicht werden. Das Buch müsste eigentlich in jeder Schule oder in jedem Elternhaus gelesen werden. Der Protagonist kommt immer wieder auf ganz außergewöhnliche Ideen, die eigentlich so einleuchtend sind, dass sich jeder fragen muss: Warum bin ich nicht selbst darauf gekommen. Ja, das Buch ist ein wunderschöner Aufruf, wachsam zu sein und für den Frieden zu streiten. Die Illustrationen von Jaqueline Duhême lassen die Seiten mit fein gezeichneten Blumen und Menschen erblühen.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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