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Tage wie diese

Autor / Illustrator: John Green, Maureen Johnson, Lauren Myracle
Seitenzahl: 255
Erscheinungsjahr / Verlag: Goya Lit bei Jumbo Hamburg 2017
ISBN: 9783833738036
Preis: 15,00
Genre: Erzählung / Roman
Thema: Abenteuer / Freundschaft / Gefühle / Fremde Kulturen / Liebe / Spannung
Zielgruppe: Büchereigrundstock

Kurze Inhaltsangabe

Wer sich auf das Hörerlebnis „Tage wie diese“ einlässt, taucht in die Welt amerikanischer Teenager ein am Abend vor Weihnachten, als ein Schneesturm den Verkehr zum Erliegen bringt. Jede Erzählung hat ihre eigenen Protagonisten und Handlungsstränge, es geht bei allen um Freundschaft und Beziehungskonflikte. Das Ende der dritten Erzählung führt alle Akteure im Waffelhaus zusammen, und es werden viele Missverständnisse aufgeklärt.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Die erste Geschichte „Der Jubilee-Express“ ist aus der Sicht von Jubilee erzählt. Um Weihnachten nicht allein zuhause zu sein, soll sie mit der Bahn zu ihren Großeltern fahren, bleibt jedoch wegen der Schneemassen auf offener Strecke liegen. Mit ihr stranden 14 Chearleaderinnen, die unterwegs zu einem Wettbewerb sind, und Jepp, der seine Freundin nicht erreichen kann, um ihr zu sagen, dass er nicht zum verabredeten Treffpunkt kommen kann. Um sich die Wartezeit zu verkürzen, brechen alle zu einem Waffelhaus auf, dessen Lichter sie in der Nähe sehen. Dort treffen sie auf Stuart, der Jubilee einlädt, mit ihm nach Hause zu kommen. Jubilee verbringt den Abend vor Weihnachten und die Nacht mit Stuarts Familie. Dabei wird ihr immer klarer, dass ihre Beziehung zu Noah nur einseitig ist, und sie macht telefonisch Schluss mit ihm. Auch Stuart trauert, weil er von seiner Freundin, einer Chearleaderin, genarrt und verlassen wurde. Ihr gemeinsamer Kampf durch den Schneesturm, ihre Trauer um eine zerbrochene Beziehung und ihre Gespräche führen dazu, dass sich Stuart und Jubilee näherkommen und schließlich küssen.

Jugendliche Zuhörerinnen werden die chaotische Gefühlslage der Protagonistin besonders gut nachvollziehen können. Eine Identifizierung mit Jubilee wird auch dadurch gefördert, dass sie Jugendsprache verwendet und ausführlich ihr Gefühlschaos schildert. Zudem wendet sie sich direkt hilfesuchend an die Zuhörer, als sie mit Noah Schluss gemacht hat. Die Rezipienten erfahren aber auch nebenbei viel über das Weihnachtsfest in Amerika: Weil Stuarts Mutter Jüdin ist, gibt es andere traditionelle Weihnachtsgerichte als in Jubilees Familie. Jubilees Eltern sind Fans des Flobie-Weihnachtsdorfs, für das es in jedem Jahr ausschließlich am 23.12. ein neues Teil in streng limitierter Auflage zu kaufen gibt. In jedem Jahr begeben sie sich in diese Verkaufsschlacht, geraten dieses Mal jedoch in eine Schlägerei und werden inhaftiert, weshalb sie Jubilee mit Hilfe ihres befreundeten Anwalts auf die Reise zu ihren Großeltern schicken.

Die zweite Erzählung ("Ein cheer unglaubliches Weihnachtswunder") ist aus der Sicht von Tobin erzählt und dürfte schon wegen der deftigeren Jugendsprache (häufige Verwendung von „Scheiße“) eher männliche Rezipienten ansprechen. Die Sätze sind kurz und prägnant; in Gesprächen dominieren Imperative. Im Gegensatz zu Jubilee druckst Tobin herum, wenn er über Gefühle sprechen will, bzw. negiert sie anfangs sogar. Im Fokus seiner Erzählung steht die Aktion, so dass dies konsequenterweise die spannendste der drei Geschichten ist. Tobin verbringt den Abend mit seinen beiden Freunden J.P. und dem „Herzog“ vor dem Fernseher, als ihn telefonisch der Hilferuf ihres Freundes Billy erreicht, der im Waffelhaus arbeitet und die Freunde als Unterstützung anfordert, um mit einer Horde Cheerleaderinnen fertig zu werden. Die Aussicht auf Waffeln und Abenteuer lässt die drei Freunde mit dem Wagen von Tobins Vater trotz der Schneemassen aufbrechen, und es folgt eine spannungsgeladene Erzählung um die Wettfahrt zum Waffelhaus. Denn auch andere Mitschüler sind auf dem Weg dorthin. Doch nur der Gruppe, die als erste ankommt, wird Einlass gewährt. Tobins Fahrt endet in einer Schneewehe, und der Fußweg bis zum Ziel wird zu einem Wettkampf zwischen den Gruppen, bei dem es auch zu tätlichen Übergriffen kommt. In die Handlung eingestreut sind Rückblenden, durch die der Zuhörer erfährt, dass der „Herzog“ ein Mädchen namens Angie ist, das auf Grund seines jungenhaften Wesens außer J.P., einem Chirokee, und Tobin keine Freunde hat. Auf dem Fußmarsch durch den Schnee ändert sich Tobins Sicht auf Angie immer mehr, und seine aufkeimenden Gefühle verwirren ihn völlig. Erst am Ende kann er mit Angie darüber sprechen, als auch sie Gefühle wie ein Mädchen zeigt, und sie sich schließlich küssen.

Während dieser zweiten Geschichte wird klar, dass es bezüglich der Figuren, der Situation und des Ortes Schnittpunkte zwischen den Erzählungen gibt. So taucht ein skurriler, wortkarger, alter Mann in allen drei Geschichten auf, der sich in Silberfolie gehüllt hat und sich als Fahrer des Abschleppwagens entpuppt, der Tobins Wagen aus der Schneewehe befreit.

Die dritte Geschichte „Die Schutzheilige der Schweine“ wird von Adi erzählt, die sich nicht verzeiht, sich von ihrem Freund Jepp getrennt zu haben, der in der ersten Erzählung mit in dem liegengebliebenen Zug war. Adis Freundinnen Dorrie und Tegan wollen sie trösten, werden aber nur barsch zurückgestoßen. Sie werfen Adi vor, dass sie sich immer nur für sich interessiere. Um das Gegenteil zu beweisen, will Adi am Weihnachtsmorgen, wenn sie im Waffelhaus arbeiten muss, das Teetassenschwein abholen, das Tegan als Geschenk bekommt. Aber Adi verursacht einen Defekt bei der Kaffeemaschine, die Überschwemmung der Küche und legt sich mit ihrer Chefin Christina an. Als sie das Schweinchen mit Verspätung abholen will, ist es versehentlich verkauft. Bei ihrer Suche nach dem Tier springt Adi über ihren eigenen Schatten und bittet Freunde um Hilfe, die sie in der Vergangenheit mehrfach vor den Kopf gestoßen hat. Schließlich gelingt es ihr, das Tier zu finden und Tegan im Waffelhaus zu übergeben, wo inzwischen alle Akteure der drei Geschichten eingetroffen sind und Adi sich mit Jepp wieder versöhnt.

Wer die drei CDs hört, durchläuft mit den Protagonisten eine Achterbahn der Gefühle mit action- und spannungsgeladenen Momenten, traurigen, nachdenklichen und glücklichen. Vor allem jugendliche Rezipienten dürften ihre eigenen Stimmungen und Probleme bei der ein oder anderen Situation wiedererkennen. Das Ende bestärkt aber auch das Gefühl, dass alles gut werden kann, wenn man sich selber kritisch hinterfragt (Adi), Gefühle zulässt und offenbart (Tobin und Angie) bzw. Entscheidungen korrigiert, wenn sie sich als falsch erweisen (Jubilee).

Den Autoren Maureen Johnson, John Green und Lauren Myracle ist es gelungen, inhaltlich und stilistisch eigenständige Geschichten zu verfassen, die dennoch kunstvoll miteinander verwoben sind. Die Stimmen von Julia Meier, Jacob Weigert und Leonie Landa tragen wesentlich dazu bei, dass sich die Rezipienten von den Erzählungen einfangen lassen und ihnen über vier Stunden lang gebannt lauschen.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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