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Die Wölfe von Currumpaw

Autor / Illustrator: William Grill
Seitenzahl: 88
Erscheinungsjahr / Verlag: Nord-Süd Zürich 2017
ISBN: 9783314104091
Preis: 20,00
Genre: Erzählung / Roman
Thema: Abenteuer / Außenseiter / Natur / Umweltschutz / Ethik / Philosophie / fantastisch / märchenhaft / Tiere
Zielgruppe: Büchereigrundstock

Kurze Inhaltsangabe

Ein Wolfsrudel hält die amerikanischen Farmer im Currumpaw-Tal in New Mexico in Atem. Doch schließlich gelingt es einem Jäger, den König der Wölfe zu fangen. Doch bleibt diese Erfahrung nicht ohne Konsequenzen.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Nachdem die amerikanischen Farmer das Land im Westen der USA besiedelt, die Einheimischen vertrieben und das frei lebende Getier ausgerottet hatten, gab es im Currumpaw-Tal in New Mexico eine Wolfsrudel, das unter dem gefürchteten Wolfskönig Lobo viel Schaden anrichtete und scheinbar allen Versuchen, es zu jagen, auf nahezu magischen Weise trotzte. Alle Versuche scheiterten und auch ein hohes Kopfgeld und weit angereiste und spezialisierte Wolfsjäger konnten dem eigentümlichen Herrscher des Landes nicht beikommen. Erst dem erfahrenen Jäger und bekannte Naturforscher Ernest Thompson Seton gelingt es 1894, zuerst seine Gefährtin und dann den König selbst zu fangen. Mittlerweile hat Seton jedoch erkannt, dass das Problem nicht die Wölfe sind. Die Menschen machen den Wölfen den Lebensraum streitig du vernichten ihre Lebensgrundlage. Lobo kann das nicht mehr retten. Er stirbt nach seiner Gefangenahme als stolzer Krieger. Seton hingegen kehrt tief beschämt in sein altes Leben zurück und setzt sich von nun an für den Schutz von Wölfen und will lebenden Tieren ein. Sein besonderes Augenmerk galt dabei den jungen Menschen und so wurde er zu einem wichtigen Mitbegründer der amerikanischen Pfadfinderbewegungen.

Diesem realen Ereignis und der dahinter stehenden Biografie widmet William Grill sein neuestes Werk. In Buntstiftzeichnungen erzählt er die Geschichte von Lobo und Seton. Nur in den Farben Braun, Grau, Rot und Blau setzt er einerseits großformatige Naturszenen um, an anderer Stelle folgen viele kleinen Bildminiaturen, die Szenen, Objekte und Momente zeigen und in starker Fokussierung eine eigene narrative Dynamik übernehmen. So wechseln sich kurze Texte und Bildfolgen ab. Die Bilder sind leicht abstrahierte und wenig detaillierte Darstellungen, in denen viel Spielraum zum Phantasieren und Weiterdenken bleibt. Dennoch treten die Figuren und Charaktere markant und eindrücklich aus den Bildern heraus.

Doppelbödig wird die Handlung zudem, da sie auch zur Allegorie für das Verhältnis der amerikanischen Einheimischen und der Siedler wird. Grill selbst weist jedoch in einem Kommentar darauf hin, dass dieses Thema hier nicht angemessen bearbeitet wird und eine eigene Geschichte verdient.

Das vorliegende Buch verbindet erzählende und darstellende Elemente in einem Sachbuch der besonderen Art. Es entwickelt gerade wegen seiner vielen Leerstellen einen ausgesprochen eindrücklichen Charakter, klärt aber auch sachlich und korrekt auf. Das Zusammenspiel von Bildern und Texten wird hier auf überzeugende Weise inszeniert. Es ist nachdrücklich zu empfehlen!

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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