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Ein großer Tag, an dem fast nichts passierte

Autor / Illustrator: Beatrice Alemagna
Seitenzahl: 46
Erscheinungsjahr / Verlag: Beltz Weinheim 2018
ISBN: 9783407823816
Preis: 14,95
Genre: Bilderbuch
Thema: Langeweile; Fantasie
Zielgruppe: Büchereigrundstock

Kurze Inhaltsangabe

Nichts ist gar nicht nur Nichts, denn da muss es auch ein Etwas geben (ähnlich wie bei Löchern). Das erfährt das Kind an diesem Tag, nachdem die Spielekonsole in den See fiel.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Welches Geschlecht das erzählende Kind hat, wird nicht deutlich, ist aber auch nicht wichtig. Wie so viele Kinder macht dieses auch am liebsten - nichts. Außer Marsmännchen auf der Spielekonsole töten selbstverständlich. Die Mutter ist offensichtlich Schriftstellerin und hat ihr Kind - wie jedes Jahr - mitgenommen in dieses langweilige Haus im Wald. Der Vater ist nicht dabei, und das Kind vermisst ihn, denn allein in dieser Stille des Hauses, in dem die Mutter an ihrem Schreibcomputer sitzt, ist es wirklich langweilig. Echt. Und dann nimmt die auch noch die Spielekonsole weg und schickt das Kind nach draußen. Weiß sie denn nicht, dass es regnet? Immerhin achtet sie nicht darauf, dass die Konsole in der Jackentasche der kreischenden orangefarbenen Jacke verschwindet.

Das war ein Fehler, denn schon bald fällt sie in den Teich, ist verloren wie das Kind es nun ist. Was soll man denn machen ohne das Gerät? Und dann entwickelt sich ein wunderbarer Tag, wird die Langeweile gefüllt mit Aufnahme der Gegend, dem Duft der Bäume, dem Geschmack des Regenwassers, dem Sammeln von Steinen, dem Dialog mit dem kleinen Vogel.

Das Kind ist nicht allein wegen der farbigen Kapuzenjacke wiedererkennbar. Es hat eine überdimensionierte runde Brille und dunkelbraune kinnlange Haare, die strähnig fast die Augen bedecken. Beatrice Alemagna legt in ihren Bildern viel mehr Wert auf Stimmungen, als dass sie realgetreu zeichnen will. Sie schafft mit vielen Linien interessante Baumstrukturen, fügt hier und da kleine gedruckte Schnipsel ein und übermalt sie, strichelt einen Regen, den wir tatsächlich auf unserer Haut zu spüren meinen. Dem Kind gibt sie eine Stupsnase mit dunklen Nasenlöchern über einem schmallippigen Mund. Mehrfach bringt sie Bewegung in die Bilder, indem sie das Kind mehrfach zeichnet ("Ich begann zu rennen. / So schnell, dass ich fiel.") und sie zeichnet den Vater als Spiegelbild des Kindes.

Am Ende wird die Spielkonsole überhaupt nicht vermisst (ein süßes Schlussbild nach dem Schluss der Geschichte), dafür aber die Stille genossen. Ruhe und Langeweile müssen nicht bedrückend sein. Man kann beide auch genießen. Eine schöne Botschaft.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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