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Gertrude grenzenlos

Autor / Illustrator: Judith Burger, Ulrike Möltgen
Seitenzahl: 236
Erscheinungsjahr / Verlag: Gerstenberg Hildesheim 2018
ISBN: 9783836959575
Preis: 12,95
Genre: Erzählung / Roman
Thema: Gegenwartsgeschichte (DDR), Zivilcourage, Mädchenfreundschaft
Zielgruppe: Büchereigrundstock Klassenlesestoff für Arbeitsbücherei

Kurze Inhaltsangabe

Rücken an Rücken sitzen unten zwei Mädchen zwischen rotem Buchrücken links und roter Rosenreihe rechts oben; denn das Buch handelt von ihrer Freundschaft in der früheren DDR. Gertrude heißt die eine und die andere Ina. Grenzenlos bedeutet die Grenze zwischen dem geteilten Deutschland, der DDR und der BRD. Und auch geht es um die grenzenlose Freundschaft beider Mädchen.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Nach dem Roman über Ina und Gertrude folgen gut strukturierte Infos zur Geschichte der DDR und ein Glossar, weil Schlüsselbegriffe, die zur Alltagssprache der DDR gehörten, sich für Interessierte heute besser erschließen lassen.

Im Nachwort: WIE INA UND GERTRUDE ZU MIR GEFUNDEN HABEN, wird klar, was dem Text anzumerken ist: Judith Burger weiß, wovon sie redet, sie ist selber in der DDR aufgewachsen. Mich hat gefreut, dass sie uns davon erzählt.

Die erste echte Freundin ist ihre beste, leider aber nicht geduldet von Frau Wendler, der Lehrerin. Ina wird kritisiert und zurückgewiesen, weil sie mit Gertrude befreundet ist. Das darf nicht sein, nicht in der DDR, Ina soll sich von dieser Freundin fernhalten. Sie ist Staatsfeindin; denn Inas Eltern haben einen Ausreiseantrag gestellt. Mit solchen Leuten spricht man nicht, schon gar nicht freundet man sich an.

Die Sprache wirkt klar und schnörkellos und unterstreicht die Wahrhaftigkeit des Inhalts. Sprachlich nah an den handelnden Personen, stellt sie eine menschenfreundliche Atmosphäre her, die Dinge klärt und Beziehungen verdichtet.

Das Buch entlarvt die Schlingerkurse der Erwachsenen, die ängstlich zur Anpassung ermahnen. Die beiden Mädchen fühlen sich hin und her gerissen, bis sie sich ganz klar für ihre Freundschaft entscheiden und dazu stehen, es komme, was will. Literarisch beeindruckend wird ihr Konflikt dargestellt: S. 58: Und ich hatte einen merkwürdigen Traum. Die Welt, auf der ich lebte, war so rund, dass ich immer wieder abgerutscht bin. Hinten stand Gertrude, und ich wollte zu ihr laufen, aber ich bin immer wieder zur Seite weggerutscht, weil die Welt so rund war.

Die Bindung der beiden Mädchen geschieht nicht nur durch ihren Durchhaltewillen. Mit Gertrude erfährt Ina viel über Literatur, neu und spannend ist das für sie und festigt ihre Bindung. S. 81: Vor langer langer Zeit traf ich mich und rannte. Vor langer Zeit sah keiner wie ich rannte. Vor langer langer Zeit …

Zivilcourage in DDR-Zeiten finde ich ein spannendes Thema fürs Jugendbuch, notwendig in Zeiten wie diesen. Und mutige Mädchenmodelle kann es nicht genug geben in der Jugendliteratur! Mädchen, die so mutig sind, dass sie schließlich die Erwachsenen dazu bringen, es ihnen gleich zu tun!

Da ich in der DDR nicht gelebt habe, weiß ich nicht, ob mein Eindruck berechtigt ist. Besonders am Ende des Buches entstand bei mir der Eindruck, als würde zu sehr schwarz-weiß gedacht. Die Ausreisewilligen erscheinen mir ein wenig zu engelhaft gegenüber denen, die bleiben.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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