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Zartbittertod

Autor / Illustrator: Elisabeth Herrmann
Seitenzahl: 691
Erscheinungsjahr / Verlag: Hörverlag München 2018
ISBN: 9783844528848
Preis: 18,00
Genre: Erzählung / Roman
Thema: Fremde Kulturen / Geschichte / Spannung
Zielgruppe: Büchereigrundstock

Kurze Inhaltsangabe

Auf einem alten Familienfoto sind ein lebensgroßes Nashorn aus Schokolade, ein weißer Erwachsener und ein schwarzer Junge festgehalten. Der Junge auf dem Foto ist Mias Urgroßvater Jakob, der in einer Schokoladenfabrik in Lüneburg in die Lehre gegangen ist.

Mia möchte Journalismus studieren und muss die Geschichte eines Familienfotos recherchieren. Was liegt näher, als dieses außergewöhnliche Foto dafür zu nutzen? 

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Mia weiß, wer auf dem Foto abgelichtet ist: Der kleine farbige Junge ist ihr Urgroßvater Jakob, der ursprünglich aus Namibia stammt. Seine Herkunft und Hautfarbe wurde zwar nie in Mias Familie verschwiegen, aber auch nie wirklich thematisiert. Der weiße Erwachsene war Jakobs Lehrherr Gottlob Herder, der in Lüneburg eine große Schokoladenfabrik führte. Das Nashorn war ein von seiner Fabrik erstelltes Geschenk für die Tochter des letzten deutschen Kaisers. Was Mia nicht weiß, ist, warum ihr Urgroßvater nach Deutschland kam, für Herder arbeitete und wie Jakob später seinen eigenen Laden in Meißen aufbauen konnte.

Noch in Meißen merkt Mia, dass hinter dem Foto mehr steckt. Ihre eigene Mutter sperrt sich zunächst gegen Mias Recherche, gibt dann aber doch nach. Sie gesteht Mia, dass Wilhelm Herder, der Enkel von Gottlob, seit Jahren vergeblich versucht Kontakt zu Mias Familie aufzunehmen. Mias Mutter hat diesen immer abgeblockt. Als Mia nach Lüneburg fährt, um sich mit Wilhelm zu treffen, stirbt dieser urplötzlich in der Nacht davor.

Nur vordergründig wird hier ein spannender Kriminalfall erzählt. Auch das Thema Schokolade gibt nur einen Rahmen. Eigentliches Thema dieses Buches ist das dunkle Kapitel der deutschen Kolonialgeschichte in Afrika, der Völkermord an den Herero und der Kolonialisierung Namibias. Herrmann erzählt von der unrühmlichen Rolle Deutschlands in der Kolonialzeit und der Vernichtung der Herero. Eindringlich sind die Textauszüge aus Briefen und Schriftstücken aus der Zeit um 1904, aus denen deutlich die Geringschätzung der Farbigen durch die Kolonialisten spricht. Wie sich das Thema Unterdrückung und Ausnutzung bis in unsere Jetztzeit zieht, wird deutlich an den noch immer nicht transparenten Anbau- und Erntebedingungen von Kakao, der Grundlage für jegliche Schokoladenproduktion. Der Anbau und die Ernte von Kakao sind bis heute ein gerne verschwiegenes Thema, weil ein Großteil davon noch immer unter unfairen Bedingungen stattfinden.

Der spannende Jugendroman „Zartbittertod“ von Elisabeth Herrmann wurde von Laura Maires als Hörbuch eingelesen. Ihre Stimme ist angenehm und man hört ihr gerne zu. Wer sich für spannende Familiengeschichten, Krimis und deutsche Geschichte interessiert, kommt bei dieser „Melange“ voll auf seine Kosten.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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