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Nis Randers

Autor / Illustrator: Otto Ernst & Tobias Krejtschi
Seitenzahl: 24
Erscheinungsjahr / Verlag: Kindermann Berlin 2015
ISBN: 9783934029651
Preis: 15,50
Genre: Bilderbuch
Thema: Ballade Bildende Kunst
Zielgruppe: Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei

Kurze Inhaltsangabe

Die Ballade hat trotz der Einzelheiten aus der Zeit der Segelschiffe nichts an Aktualität verloren. Sie ist auch heute so eindringlich wie vor 100 Jahren, und sie zeigt, dass man machen muss, was man machen muss. Die Bilder verschärfen die Dramatik und lösen sich auch zum Schluss nicht von der Vorgabe. Eine tolle Interpretation für Menschen jeden Alters!

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

1797, das Balladenjahr der Klassik, war längst vorüber, als der ehemalige Lehrer Otto Ernst zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine bekannte Geschichte mit Nis Randers personifizierte, sie als Ballade verdichtete und 1901 veröffentlichte. Sie heroisiert die Arbeit der Seenotretter, die mehr als einmal ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten, um Schiffbrüchige zu retten. Wer einmal die Gelegenheit erhielt oder erhält, in ein Ruder-Rettungsboot zu schauen oder auch hineinzusteigen, der kann nicht glauben, dass es Männer mit ihren Rudern hinaustrieb in die sturmgepeitschte See, um aus vor der Küste gestrandeten Schiffen Menschen an Land zu retten.

Otto Ernst dramatisiert. Nicht genug, dass vor der Küste im Sturm ein Schiff strandete. Die Schlagseite zeigt, dass der Untergang wohl kurz bevorsteht. Die Menschen der Küste stehen und schaudern ob der Ohnmacht gegen die Naturgewalten. Da werden im Krähennest am Mast Männer gesichtet, nein, es ist einer, aber auch den gilt es zu retten. Es folgt die Verdichtung der Geschichte, denn der junge Mann will selbstverständlich mit den anderen Seenotrettern hinaus, um den Seemann zu retten, aber seine Mutter bekniet ihn: "Der Vater ging unter und Momme, mein Sohn; / drei Jahre verschollen ist Uwe schon / ...", Nis soll sein Leben nicht auch noch aufs Spiel setzen für irgendeinen, der dort draußen auf Rettung wartet.

Die Ballade hat nur 10 kurze Strophen, jede nur 3 Zeilen lang, nur die ersten beiden sind gereimt, die dritte ist mit je nur 6 Silben deutlich kürzer als die anderen. Die Reimwörter versuchen sich einsilbig, um den Schwung zu transportieren, die letzten Wörter der dritten Zeile sind zweisilbig und halten die ersten ein wenig zurück.

Der Himmel, den Tobias Krejtschi zeichnet, ist glutrot. Das ist keine Sonne, die untergeht, das ist Blut, Blut der vielen Seemänner im nassen Grab. Die grauen Wolken, die von unten rot angeleuchtet werden, sind schmal und sturmgezogen. Das Meer ist tiefschwarz, die Wellen darüber sind unruhig, grau, verschieben den Horizont, gepeitscht vom Sturm. Der Dreimaster im Hintergrund liegt schief dazu, die Rahen-Segel sind zerfetzt. Ganz groß im Vordergrund in hellerem Grau ist vor allem ein junger Mann. Sein hervorstehendes Kinn wird mit seinem rötlichen Backenbart noch verstärkt. Der Südwester auf dem Kopf, die breiten Schultern, das Fernglas in der Hand. Das ist einer, der für sich entschieden hat, was er tun muss. Davon bringt ihn niemand ab, nicht einmal seine Mutter. Stur – könnte man sagen.

Krejtschi illustriert den Text, zitiert dabei auch die weißen Gischtrösser von Walter Crane. Neun Doppelseiten gestaltet er auf diese Weise und schafft damit ein sehr einheitliches Werk, das dem Thema und der Ballade mehr als nur die Hand reichen kann.

Nicht umsonst hat die Ballade der "Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger" nicht nur "ein Denkmal gesetzt", sondern auch aufgezeigt, dass selbst die obligatorische Geldsammlung auf den Fähren zu den Ostfriesischen Inseln während der rund einstündigen Fahrt keine "Geldschneiderei" ist. Menschen an der Küste wissen von den Unglücken und den wenigen Momenten, die gut ausgingen. Nis Randers erzählt davon.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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