Bundesverband Leseförderung e.V.
Wir lesen, weil wir die Welt verstehen und gestalten wollen

Buchtipp Archiv

Als Opapi das Denken vergaß ·

Autor / Illustrator: Uticha Marmon
Seitenzahl: 160
Erscheinungsjahr / Verlag: Magellan, Bamberg 2014
ISBN: 978-3-7348-4004-3
Preis: 13,95
Genre: Kinderbuch
Thema: Demenz/Familie/Heimat
Zielgruppe: Ab 9 Jahre

Kurze Inhaltsangabe

Im Mittelpunkt steht das Mädchen Mia, dessen Zuneigung zu Ihrem Urgroßvater nicht durch dessen Demenz beeinträchtigt wird. Ihre Liebe ist bedingungslos, weshalb sie Berti, Opapis kindliches Ich, zunächst leichter annehmen kann als die Erwachsenen.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Bei der Lektüre fällt wohltuend die Unkorrektheit der Sprache auf, womit die Autorin und ihr Verlag Mut beweisen. Opapi darf fluchen (Herrgottsack) und reden, wie ihm „der Schnabel gewachsen ist”, nämlich Schwäbisch. Eine bewusste lokale Verortung, die auf dem Buchmarkt nicht mehr selbstverständlich ist. Geschichten sollen überall spielen können, was häufig zulasten der Identität geht. Dabei spielt Identität gerade beim Thema Demenz eine zentrale Rolle, die gekonnt in die Handlung verwoben wird. Und Kindern damit zugemutet wird, eventuell nur ungefähr zu verstehen, was eine Butschelle ist.

Wohltuend fallen ebenso die Familienform und die Hausgemeinschaft auf. Eine klassische Familie mutet im modernen Kinderbuch ebenfalls exotisch an. Ohne Zweifel gehört Scheitern zum Leben und ebenso die Erfahrung, dass mit dem Scheitern nicht alles vorbei ist. Aber muss das Scheitern von Beziehungen deshalb zwingend als Modell herhalten? Dass es ohne literarischen Kitsch anders geht, beweist Uticha Marmon. Dergestalt beschreibt sie auch die Hausgemeinschaft, obwohl sich diese in einer Großstadt und nicht auf dem Lande befindet. Ein schönes Modell, das – neben Mias Familie – zeigt, was Menschen glücklich macht: Gelingende Beziehungen, die manchmal bis an die Grenzen der Belastung gehen können!

Ein Buch für alle, die ratlos vor ihren Eltern, Freunden, Geschwistern oder Großeltern stehen. Das Kinderbuch macht Mut, sich dem Lebensabschnitt Demenz zu stellen. Und Mut ist es, was unsere Gesellschaft braucht.


Rezensent: Barbara Knieling
← zurück zum Archiv
Bundesverband Leseförderung e.V. | Rathausstr. 37a | 52072 AachenTelefon: +49 (0)700 / 28 537 361 | Sprechzeiten: Di. 15–17 Uhr, Do. 10–12 Uhr
Ein Anruf aus dem deutschen Festnetz kostet:
Mo – Fr von 9 – 18 Uhr: 6,3 ct/30 Sekunden, übrige Zeit: 6,3 ct/Minute
Email: info@bundesverband-lesefoerderung.de© 2009 - 2019 by Bundesverband Leseförderung e.V.