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Als Kindersoldat in Auschwitz – Die Geschichte einer Klasse

Autor / Illustrator: Thomas Gnielka
Seitenzahl: 183
Erscheinungsjahr / Verlag: CEP Europäische Verlagsanstalt Hamburg 2015
ISBN: 9783863930585
Preis: 9,99
Genre: Autobiografie/Autobiografische Erzählung
Thema: Nationalsozialismus, Auschwitz-Prozess
Zielgruppe: Büchereigrundstock Klassenlesestoff für Arbeitsbücherei

Kurze Inhaltsangabe

Thomas Gnielka wird als 15jähriger mit seiner ganzen Klasse eingezogen. Als Kindersoldat im 2. Weltkrieg mussten er und seine Mitschüler im KZ Auschwitz-Birkenau die Gefangenen bewachen. Gnielka ist nach dem Krieg Journalist geworden und hat unermüdlich daran gearbeitet die Mörder von Auschwitz vor den Richter zu bekommen. Ihm ist es zu verdanken, dass es im erste Auschwitz-Prozess 1963 zu Anklage und Urteil kommen konnte. 

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Im Januar 1944 ist es für die 15-jährigen Jungen des Berliner Kant-Gymnasiums soweit, sie müssen Soldaten werden, werden eingezogen, haben keine Wahl. Ihr alter Studienrat verabschiedet sie mit einem Gedicht von Kurt Tucholsky: „Drei Minuten Gehör ", darin die Sätze: „Ihr sollt nicht stramm stehen! Ihr sollt nicht dienen! Ihr sollt frei sein! Zeigt es ihnen!“ Gefährliche Sätze; Sätze, die, einmal ausgesprochen, den Lehrer ins KZ hätten bringen können; Sätze, die nicht nur den Schülern, auch uns als Leserinnen und Leser dieser ersten Buchseite ins Herz fahren; Sätze, die gleichwohl an der Realität im Jahre `44 nichts mehr ändern konnten. „Schüttelt es ab, das Knechtschaftsband! Wenn ihr nur wollt, seid ihr alle frei! Euer Wille geschehe! Seid nicht mehr dabei! Wenn ihr nur wollt: bei euch steht der Sieg! Nie wieder Krieg!" 1922 geschrieben, war dieses Gedicht eine Kampfansage an die Kriegstreiber der Weimarer Republik, an den ganz speziellen deutschen Militarismus und Revanchismus. 22 Jahre später lag Deutschland noch nicht ganz in Trümmern, war Europa noch nicht befreit von der Nazidiktatur, hatte ein 15-jähriger Schüler keine Freiheit und keine Wahl, wurde ungeachtet seiner Jugend als Soldat mit der gesamten Schulklasse zur Bewachung der Gefangenen im KZ Auschwitz – Birkenau nach Osten transportiert. Thomas Gnielka, der Autor des Buches „Die Geschichte einer Klasse“, berichtet von dem, was er gemeinsam mit seinen Mitschülern dort hat erleben müssen, episodenhaft und fragmentarisch, präzise und atmosphärisch dicht; kein Kunstwerk, kein bündiger Roman, vielmehr Teil eines lebenslangen Versuchs, das Erlebte zu verarbeiten, um nicht daran zugrunde zu gehen.

Dem 80-seitigen Romanentwurf folgt ein 13- seitiges Exposé als nachgetragener Versuch, das Fragmentarische zu ordnen, sodann auf 76 Seiten eine ausführliche Dokumentation des Autors zum 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess 1963-65, dies die Grundlage für den kürzlich erst erschienenen Kinofilm „Im Labyrinth des Schreckens“.

Für den Unterricht ist dieses Buch hervorragend geeignet. Wahrscheinlich ist es sinnvoll, beim Einsatz in der Sekundarstufe I (ab 9. Klasse) eine Auswahl geeigneter Textpassagen zu besprechen. In der Sekundarstufe II könnten die Schülerinnen und Schüler nach der Gesamtlektüre eigenständig eine Auswahl treffen und mithilfe der Dokumente verschiedene Themengebiete erarbeiten. Im Anschluss könnte dann der Film: „Im Labyrinth des Schweigens“ als gelungene Dramatisierung des Stoffes gezeigt werden.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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