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Der kleine Cowboy und der große Wurf ·

Autor / Illustrator: Ulrike Fischer, Stefanie Jeschke
Seitenzahl: 32
Erscheinungsjahr / Verlag: Magellan, Bamberg 2015
ISBN: 978-3-7348-2006-9
Preis: 13,95
Genre: Bilderbuch
Thema: Abenteuer, etwas können wollen, Geschlechterrollen
Zielgruppe: 4–7 Jahre

Kurze Inhaltsangabe

Ben, ein etwa 6- bis 7-jähriger Junge, lebt mit seiner Mutter in einer Westernstadt im Wilden Westen. Er möchte ein „richtiger Cowboy“ werden und dazu gehört das Lasso Werfen. Bei seinen Übungen reißt er die von der Mutter frisch gewaschene Wäsche von der Leine, worauf sie von ihm fordert, am nächsten Tag die Wäsche zu „schrubben“.

Doch Ben erlebt noch mehr: Auf seinem Weg zum Bahnhof mit den Mittagsbroten für die bewunderten Cowboys, erfährt er durch einen Steckbrief vom gesuchten Banditen Red John. Er bekommt von einem der Cowboys Tipps zum Lasso Werfen, reitet mit wachsendem Freiheitsgefühl hinter einem abfahrenden Zug her und begegnet dabei schließlich zufällig dem flüchtenden Red  John. Bei seinem misslungenen Versuch, den Bankräuber mit dem Lasso zu fangen, landet dieses auf der Kruppe von Red Johns Pferd. Der Bandit wird abgeworfen und landet in einem Kaktus.

Ben erhält große Anerkennung vom Sheriff, der kurze Zeit später mit seinen Männern ankommt. Er gewährt Ben als Belohnung einen Wunsch. Ben nutzt die Gunst der Stunde: Der Sheriff soll an seiner Stelle die Wäsche waschen! Und weil der Sheriff ein echter Kerl ist, steht er zu seinem Wort!

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Mit diesem Buch lassen sich folgende Aspekte leicht mit Kindern thematisieren:

- Western
- Geschlechterrollen
- etwas üben
- genau hinsehen, zeichnen und basteln

Western

Das Bilderbuch zählt zum komischen Genre. Es lädt vielfach zum Schmunzeln oder Lachen ein. Erwachsene oder kleine mit Western vertraute Rezipienten können das Geschehen und die bildnerische Darstellung mit klassischen Film- oder Buchvorstellungen vergleichen oder die Kontraste zwischen Text und Bild erkennen. Die Geschichte spielt mit Klischees verschiedener Art, ohne sich eindeutig auf eine Sichtweise fest zu legen, die z.B. den aktuellen Gendervorstellungen entspricht.

Da ist zunächst einmal das typische Setting einer Wild West-Story: die Westernstadt Green City. Dort gibt es über die Bilder vermittelt in einer langen Reihe einen Saloon, eine Bank, das Haus des Sheriffs, ein Hotel, einen Friseur und einen Bahnhof sowie ein Café und noch eine Bar. Weniger typisch ist die Hervorhebung des Kramladens von Tante Nelly und der Handlungsort „Wäscheleine“ im Hof von Ben und seiner Mutter. Dann gibt es natürlich: Cowboys, Rinder, eine Dampflok, einen Bankräuber, einen Sheriff mit seinen Männern und eine Wüste.

Geschlechterrollen

Die Cowboys, die Ben sehr bewundert, entsprechen in Text und Bildern keineswegs den kantigen, „lonesome riders“ aus Werbung und Westerngenre. Sie wirken wenig athletisch, sondern vielmehr sehr entspannt, machen Unsinn und raufen aus lauter Lust am Raufen. Sie lachen Ben und einander aus, freundlich und herzhaft. Der Bandit „Red John“, der seinen roten Haaren seinen Namen verdankt ist und dessen Gesicht auf dem Steckbrief als „böse“ bezeichnet wird, sieht geradezu harmlos aus und verhält sich wenig intelligent. Der Sheriff verfolgt den Bankräuber, wäscht am Ende aber auch die Wäsche.

Die zwei im Buch erwähnten Frauen verrichten traditionell Frauen zugewiesene Tätigkeiten: Tante Nelly, die den Kramladen im Ort führt, streicht Brote für die Cowboys und Bens - vermutlich alleinerziehende Mutter, denn Bens Vater wird nicht erwähnt – wäscht Wäsche. Die als weiblich konnotierte Tätigkeit wird besonders deutlich durch Bens Reaktion auf die Anweisung seiner Mutter am folgenden Tag. „Wäsche schrubben? Schon der Gedanke daran brennt wie Feuer. Geht vielleicht eine andere Strafe?“. Dies wird noch gesteigert durch die Weitergabe der „Strafe“ an den Sheriff, der ebenfalls aussieht „... als ob er eine eklige Kröte verschluckt hätte.“ Er willigt ein: „Abgemacht! Du weißt ja: Ein Mann, ein Wort.“  Dieser Themenkomplex lädt z.B. zum Sammeln witziger, überzeichnender Ideen oder auch zu ernsthaften Diskussion über Jungen/ Mädchen bzw. Männern/ Frauen ein. Auch das Ausdenken und in Szene setzen von Dialogen, die sich an jenen des Buches orientieren, sind eine gute Möglichkeit, aus der Geschichte eine eigene zu machen.

Etwas üben

Ein weiteres Thema ist Bens größter Wunsch ein richtiger Cowboy zu werden. Und dazu gehören Lasso werfen zu können und Abenteuer und Freiheit zu erleben. Er zeigt  beim Lasso werfen seine Bereitschaft zu üben und sich Tipps geben zu lassen. Misserfolge halten ihn nicht davon ab, es weiter zu probieren. Schließlich ergibt sich aus einem misslungenen Wurf ein großer Erfolg. Üben oder Training, Erfolg und Misserfolg sind ein lebensnahes Thema von Kindern. Man kann hier das Buch „einfach wirken lassen“ oder es als Ausgangspunkt für das Erzählen persönlicher „Übe-Erlebnisse“ nutzen und über Dinge reden und Ideen entwickeln, die man unbedingt können möchte.

Genau hinsehen, zeichnen und basteln

Auf den Bildern gibt es viele Details, aus denen sich gut Entdeckungs- und Bastelaktivitäten entwickeln lassen. So haben z.B. alle Personen abgerundete Zähne mit Lücken dazwischen und dieses „Muster“ findet sich als Besatz an Kragen und Schürze von Tante Nelly. Bens Westernhut besteht nur aus einer Krempe und einer Frontseite, so dass seine Haare hervorquellen. Die Bartstoppeln von Red John sind genauso gezeichnet wie die langen Kaktusstacheln, die er sich zuzieht. Es bietet sich an, solche Übereinstimmungen gezielt zu suchen und dann selbst zu zeichnen. Ebenso ist es möglich, „Steckbriefe“ zu produzieren. Oder die Wildwest-Stadt aus Papier und Schachteln nachzubauen.


Weitere Rezensionen:

www.ajum.de/2015ii/ajum_2015ii_magellan_03.pdf
http://herzpotenzial.com/ulrike-fischer-der-kleine-cowboy-und-der-grosse-wurf/ 
https://kinderohren.wordpress.com/2015/03/10/kleine-cowboy-der-grosse-wurf/
http://kinderbibliothek.blogspot.de/2015/04/ab-3-jahre-ulrike-fischer-der-kleine.html
http://damarisliest-mini.de/.../bilderbuch-der-kleine-cowboy-und-der.html

www.youtube.com/watch?v=ott4ZxcnIZU


Rezensent: Annette Meyer
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