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Alles super!

Autor / Illustrator: Roddy Doyle, Rosa Linke
Seitenzahl: 188
Erscheinungsjahr / Verlag: cbj München 2015
ISBN: 9783570170779
Preis: 12,99
Genre: Erzählung
Thema: Arbeitslosigkeit Emanzipation Familie
Zielgruppe: Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei

Kurze Inhaltsangabe

“Alles super!” thematisiert die jüngste schwere Wirtschaftskrise Irlands aus Kindersicht, tut dies zunächst realistisch und leitet dann über ins Märchenhafte, ist dabei trotz der traurigen Grundstimmung unterhaltend und witzig und vermittelt erfolgreich Mut und Zuversicht!

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Der bekannte irische Autor Roddy Doyle schreibt mit diesem phantastisch anmutenden Roman gegen die schwere wirtschaftliche Krise Irlands mit ihren Auswirkungen für die betroffenen Menschen an. Und er tut dies überzeugend, das sei vorweg verraten. Am Beispiel einer Dubliner Familie, insbesondere aus der Sicht der beiden Geschwister Raymond und Gloria (12 bzw. 10 Jahre alt) schildert Doyle die Folgen dieser Krise. Die beiden müssen sich ein Kinderzimmer in ihrem kleinen Dubliner Reihenhaus teilen, weil Onkel Ben “für eine Weile” ins andere Kinderzimmer einzieht, denn er kann die Hypothek für sein eigenes Häuschen nicht mehr zahlen, weil er arbeitslos geworden ist. Dies erfahren die Geschwister, weil sie sich abends heimlich unter den Küchentisch schleichen und die Erwachsenen, in diesem Fall ihre Eltern, die schwerhörige Oma aus der Einliegerwohnung (=umgebaute Garage) und Onkel Ben belauschen. Sprachsensibel und witzig vermittelt der Autor dabei den traurigen Tatbestand, vor allem durch die schwerhörige Oma und die differenzierende sprachliche Präsentation.

Die Kinder stellen z.B. fest, dass die Unterhaltung der Erwachsenen zumeist mit “Plaudern” beginnt, dann zu inhaltlicher “Rede” überleitet und bei inhaltsschwerem “Gemurmel” endet. Den früher so lustigen Onkel hat augenscheinlich sein Humor verlassen, und die Oma erklärt dies dadurch, dass “der schwarze Hund der Depression...der Stadt Dublin das Narrenbein gestohlen” (S.64) hat. Das Narrenbein, finden die Geschwister heraus, ist ein Teil vom Körper, der dafür sorgt, dass wir lachen können. Deshalb machen es sich Raymond und Gloria zur Aufgabe, dem schwarzen Hund der Depression dieses Narrenbein wieder abzunehmen. Zu diesem Zweck verlassen sie eines Nachts ihr Haus und verfolgen den schwarzen Hund durch die Straßen, der sich in einer dunklen Wolke versteckt hält. Dabei stoßen immer mehr Kinder zu ihnen, deren Angehörigen Ähnliches passiert ist wie Onkel Ben. Bei ihrer Verfolgung kommen die Kinder auf die Idee, dass das Wort “super”, das jeder Dubliner viele Male am Tag verwendet, Optimismus und Helligkeit verbreitet und insofern geeignet ist, den schwarzen Hund der Depression zu bekämpfen. Und immer mehr Kinder beteiligen sich an der märchenhaft werdenden nächtlichen Verfolgungsjagd des schwarzen Hundes, wobei sie alle die meterhohe Mauer des Zoos überqueren können und mit Hilfe eines Jugendlichen, der sich für einen Vampir hält, können Ray und 2 weitere Mutige sogar fliegen, den schwarzen Hund am Himmel verfolgen, in ihn eindringen und ihn schließlich zur Strecke bringen. Dank dieses mutigen Einsatzes verdrängen sie das Bewusstsein der Nutzlosigkeit und Optimismus kehrt wieder in die Stadt zurück.

Diese Mut machende Erzählung wird durch eine geschickte grafische Gestaltung sinnvoll unterstützt. Diese setzt sich zusammen aus der kindlich-gespenstischen Umschlaggrafik, aus durchgängigen Hundepfoten auf dem unteren Seitenrand bis auf die letzte Seite mit kleinen positiven Dubliner Möwen und vor allem durch die Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Rosa Linke vor jedem Kapitelanfang (also 11 Mal), die das Gespenstisch-Bedrohliche der Situationen gut widerspiegeln.

Insofern liegt ein sehr empfehlenswertes Buch zum Themenbereich “Armut” für LeserInnen ab 12 vor.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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