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Train Kids

Autor / Illustrator: Dirk Reinhardt
Seitenzahl: 319
Erscheinungsjahr / Verlag: Gerstenberg Hildesheim 2015
ISBN: 9783836958004
Preis: 14,95
Genre: Abenteuererzählung
Thema: Abenteuer Fremde Kulturen Flucht
Zielgruppe: Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei Klassenlesestoff

Kurze Inhaltsangabe

Am Grenzfluss Rio Suchiate im Norden Guatemalas treffen sich 5 Jugendliche zwischen elf und sechzehn Jahren, die aus den armen mittelamerikanischen Staaten stammen und alle die Strecke von rund 2.200 km durch Mexiko als blinde Passagiere auf Güterzügen überwinden wollen, um in die gelobten USA zu gelangen. Dafür gilt es, eine Menge Gefahren und Widrigkeiten zu überwinden, um dorthin zu kommen. Ob die fünf dies schaffen?

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Der studierte Historiker und auch journalistisch tätige Autor Dirk Reinhardt hat vor Ort, also in Mexiko, eigenständig recherchiert, um seinem Roman “Train Kids” Authentizität zu verleihen. Und dies ist ihm überzeugend gelungen, das kann man getrost vorweg nehmen, denn dieses Buch erweist sich als eine packende Fiktion voller Fakten, das den LeserInnen der “alten Welt” deutlich macht, dass Flüchtlingsströme und -katastrophen keineswegs ein afrikanisch-europäisches Phänomen sind, sondern, und das in noch viel stärkerem Maße, auch in der “neuen Welt”, genauer auf dem amerikanischen Kontinent, anzutreffen sind. Der Autor konstatiert, dass sich jährlich etwa 50.000 Kinder und Jugendliche auf den Weg ins gelobte Nordamerika aufmachen, bei insgesamt 300.000 illegalen Migranten aus den mittelamerikanischen Ländern.

Was ein solches Vorhaben für den Einzelnen bedeutet, macht er anhand einer Fünfer-Gruppe deutlich, bestehend aus dem 14-jährigen Miguel (Guatemala), dem Ich-Erzähler, dem 16-jährigen Fernando (El Salvador), dem Erfahrensten und Anführer der Gruppe, der etwa 14-jährigen Jazmina (ebenfalls El Salvador), die als Jaz, also als Junge getarnt, die Flucht unternimmt, dem etwa gleichaltrigen Emilio, einem Indio aus Honduras und als Benjamin dem 11-jährigen Angel (Guatemala).

Und die Prognose des erfahrenen Fernando bewahrheitet sich, die dieser gleich zu Beginn äußert: “Wenn wir über den Fluss setzen, ...dann sind wir im Krieg. Vergesst das nicht!” (S. 5) Dieser Krieg setzt sich zusammen aus zahlreichen unterschiedlichen Scharmützeln, die alle hart, grausam und mitunter extrem brutal sind und denen viele der Migranten zum Opfer fallen. Da sind etwa die erbarmungslosen Drogenbanden der Maras im Süden Mexikos oder der Zetas im Norden, die gemerkt haben, dass sie mit den Flüchtigen ein einträgliches Zusatzgeschäft machen können. Da sind ferner korrupte Polizisten und Militärs, die auf Kosten der Armen ein Zusatzbrot verdienen wollen. Da ist zudem der Kampf mit Naturkräften wie den eiskalten Nächten auf den Gebirgspässen oder der glühenden Hitze beim Durchqueren der Wüstenregionen. Und da ist nicht zuletzt ein vielfältiger Kampf mit dem Transportmittel, den Güterzügen, die ja während der Fahrt bestiegen bzw. verlassen werden müssen, die lange, enge Tunnel durchfahren und deren mitgeführte Güter nicht unbedingt das Mitfahren erleichtern. Ohne körperliche und seelische Verletzungen kann keiner eine solche Reise überstehen, und so wird auch die Fünfer-Gruppe kleiner, weil Emilio, der Indio, merkt, dass seine Diskriminierung unterwegs nicht aufhört und er doch lieber umkehrt und auch der Jüngste, Angel, feststellt, dass die Aussicht, zu seinem älteren Bruder und dessen Gang in den USA hinzuzustoßen, nicht wirklich zukunftsträchtig für ihn ist und er lieber umdreht. Die drei Übrigen überstehen die Strapazen der langen Fahrt nicht zuletzt deshalb, weil sie neben ihrer eigenen Cleverness immer wieder auf hilfsbereite Menschen treffen, seien es Priester, Mitarbeiter sozialer Hilfseinrichtungen oder arme Bauern.
Durch Rückblenden wird deutlich, dass diese Jugendlichen von ihren Eltern(teilen) aus wirtschaftlicher Not heraus verlassen worden sind, indem diese bereits viele Jahre zuvor aus ihrer Heimat aufgebrochen sind in die USA in der festen Absicht, nach kurzer Zeit mit genügend Dollars zurückzukommen, sich dieses Vorhaben aber als nicht realisierbar erwiesen hat und die Kinder nunmehr ihnen nachzureisen versuchen.

Insofern liefert der Autor drastische, realistische Einblicke in die Migrationsszene des amerikanischen Kontinents, vermittelt dabei Verständnis für diese nicht legalen Einwanderungsströme und deutet an, dass der Bau immer perfekterer Grenzzäune dieses Problem keinesfalls lösen kann, sondern nur eine Verbesserung der sozialen Lage in den Herkunftsländern! Eine Einsicht, die auch auf “unsere” Wanderbewegungen zutreffen. Die Lektüre ist also gleichermaßen spannend, global zutreffend und lehrreich.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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