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Graukatze

Autor / Illustrator: Helga Gutowski, Kerstin Meyer
Seitenzahl: 175
Erscheinungsjahr / Verlag: Rowohlt Reinbek 2015
ISBN: 9783499216985
Preis: 9,99
Genre: Erzählung
Thema: Aggressivität Angst Außenseiterin/Außenseiter
Zielgruppe: Büchereigrundstock

Kurze Inhaltsangabe

Muss ja nicht jeder wissen, dass Helen in der Siedlung wohnt - und dass dort die “Totenköpfe” die Menschen terrorisieren. Denn wer diese Jungen bei der Polizei anschwärzt, der bekommt Probleme. Auch Helen schweigt. Doch dann lernt sie die unerschrockene Antonia kennen.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Seit dem Tod ihrer Mutter wohnt Helen mit ihrer Oma in der Siedlung. Die verdient mit Näharbeiten ein paar Euro dazu, doch trotzdem bleibt das Geld extrem knapp – wie bei allen, die dort wohnen. Auch Ben, Hecht und Kralle sind nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen. Die drei kompensieren ihre Probleme, indem sie als die “Totenköpfe” Ärger machen. Sie begehen Ladendiebstähle, pöbeln die Bewohner an, Helen wird von ihnen in der Schule gemobbt, und Ben ist sogar in Helens Wohnung eingedrungen und hat Geld gestohlen. Helen hat Angst vor ihm – aus gutem Grund, wie sich zeigen wird. Zu allem Überfluss hat Helen keine Freundin. Das ändert sich, als Antonia in ihre Klasse kommt. Die ist selbstbewusst und hat keinerlei Berührungsängste. Zusammen mit ihr macht Helen viele neue Erfahrungen. Und sie geht endlich auch ihr größtes Problem an: Die “Totenköpfe”.

Die Autorin erarbeitet sehr gut die Entwicklung, die ihre Protagonisten durchlaufen. Helen hat zunächst nur wenig Selbstbewusstsein. Sie glaubt nicht an eine Verbesserung ihrer Situation. Später nimmt sie ihr Leben selbst in die Hand. Helens Oma versucht lange, alle Probleme von Helen fernzuhalten. Dann erkennt sie, dass Helen älter geworden ist und nach Antworten verlangt. Die Bewohner der Siedlung haben endlich die Nase voll von den “Totenköpfen” und tun sich zusammen. Und selbst Kralle und Hecht, verdonnert zu Wiedergutmachung und Sozialerziehung, scheinen auf einem guten Weg zu sein. Helga Gutkowski zeigt für die Leser sehr schön nachvollziehbar, dass es auch aus schwierigen Situationen einen Ausweg gibt.

Nicht ganz aktuell und alltagstauglich ist die Zusammensetzung der Protagonisten. Kein einziger Ausländer scheint im Brennpunktviertel zu wohnen. Handys, Fernsehen und Internet spielen offenbar keine Rolle. Und ein mit Orden dekorierter Weltkriegsveteran? Der muss siebzig Jahre nach Kriegsende schon ziemlich alt sein. Man fühlt sich in der Erzählung um mindestens zwanzig Jahre in der Zeit zurück versetzt.
Die Erzählsprache der Autorin ist hochwertig. Mit einfachen Worten vermittelt sie Stimmungen, die sie mit poetisch anmutenden Formulierungen unterstreicht.

Die schwarz-weißen Illustrationen haben den Charakter von Kohlezeichnungen. Ihr einziger Schwachpunkt ist die Darstellung Helens, die bisweilen anmutet wie ein altes Waschweib und nicht wie eine Elfjährige.

Insgesamt ist “Graukatze” ein sehr empfehlenswertes Buch, auch für Kinder, die dort vielleicht einen Teil ihrer eigenen Lebenswelt wiederfinden.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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