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Von Martin Luthers Wittenberger Thesen

Autor / Illustrator: Meike Roth-Beck, Klaus Ensikat
Seitenzahl: 44
Erscheinungsjahr / Verlag: Kindermann, Berlin 2015
ISBN: 978-3-934029-62-0
Preis: 19,90
Genre: Sachbilderbuch
Thema: Mittelalter - Neuzeit
Zielgruppe: Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei

Kurze Inhaltsangabe

Die Revolution im Christentum des 15. / 16. Jahrhunderts kommt sehr deutlich heraus: Die Gratwanderung zwischen Sach- und Bilderbuch ist ausgesprochen gelungen. Die Texte sind innerhalb von Rechtecken in blauer Schrift und bordeauxroter Überschrift gedruckt, die dadurch fast ausgestanzten Bilder nehmen diese Art der Darstellung in sich noch einmal auf. Herrliche Illustrationen, die sich jeweils auch noch auf historische Quellen beziehen, machen das Buch zu einem Kleinod.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Ein bisschen Vorkenntnis aus dem Unterricht in der Schule / dem Konfirmanden-Unterricht ist zwar nicht gefordert, hilft aber beim Verständnis. Die Texte erzählen chronologisch den Lebensweg von Martin Luder, der sich später Luther nennen wird, sowie Auszüge seiner 95 Punkte lange Liste, die er an der Kirchentür der Kirche zu Wittenberg öffentlich machte. "Ein Wissenschaftler wie er nennt solche Kerngedanken ‚Thesen'."

Beginnen wir mit diesen, die auf den Seiten 21 bis 29 gedruckt sind. Sie sind kindgerecht aufbereitet und eher themenbezogen denn chronologisch gegliedert. Luther weiß sehr wohl, dass er nicht gegen den Papst direkt angehen kann, und deshalb verweist er mehrfach darauf, dass es wohl einige Kirchenmänner sind, die sich völlig verrannt haben und nicht mehr das predigen, was die Bibel vorgibt. Wüsste das der Papst, er würde diese Männer ganz sicher in die Schranken weisen! Dabei weiß Luther jedoch genau, dass die Geld- und Machtgier alle Träger der christlichen Kirche betrifft. Je weiter oben, desto schlimmer ihr Verhalten.

Martin Luther versucht nun, diese Kirche zu reformieren. Sie solle sich zurückbesinnen auf die Religion, auf den Glauben. Der Mensch kann sich nicht selbst befreien von seinen Sünden. Nicht durch Strafen, nicht durch Geldspenden, und er kann auch nicht von anderen Menschen (Priestern) befreit werden.

Das sei - so Luthers wichtigste These - auch gar nicht nötig, denn Gott ist ein Gott der Liebe. ‚Du bist angenommen durch meine Liebe.' sagt der Gott, den Luther meint. Den kann man sich nicht ‚verdienen'. Buße, Gnade und frohe Botschaft treten in Konkurrenz zu Ablass (selbst für Verstorbene) und Geld sammeln für den Bau des Petersdoms in Rom.

Luther macht damit (auch) den Schritt vom Mittelalter in die Neuzeit - wie es viele Künstler, Philosophen, Humanisten, Erfinder, Erforscher, Mediziner, Wissenschaftler und Entdecker fast zeitgleich ebenfalls machen. Er ist damit in guter Gesellschaft.

Klaus Ensikat hat sich des Themas nicht nur illustrativ angenommen, er fügt viele eigene Blickwinkel hinzu. Er zeichnet Kaiser Maximilian "als weltliches Oberhaupt" ebenso wie Papst Leo X (geb. Giovanni de Medici) als kirchliches, beide recht unsympathisch, aber auch Luther selbst kommt nicht viel besser weg. Spätestens dann verstehen wir, dass er seine Aufgabe nicht darin sieht, die Menschen freundlich und/oder liebenswert in seinen Zeichnungen der vielen engen Striche und Linien zu charakterisieren. Er schafft einen eigenen Kosmos der Zeit, in dem der Mensch eher nebensächlich ist, sondern vielmehr das, was von ihnen ausgeht.

Das zeigt er auch durch seine Pflanzen- und Blumenbilder, die vielfach den Text einleiten, wenn dem eine ganze Seite zugestanden wird. Dort kann er auch Personen vereinzeln oder den Stempel der "Lutherrose" farblich bestimmen.

Ein ganz hervorragendes Sachbuch, Bilderbuch, religiöses Buch mit vielen Facetten ist hier gelungen, das wahrhaft "den Teufel mit der Tinte" austreibt. Das bedeutete nicht, dass man Tintenfässer an die Wand werfen muss!

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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