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Zusammen werden wir leuchten

Autor / Illustrator: Lisa Williamson
Seitenzahl: 380
Erscheinungsjahr / Verlag: Fischer S. Frankfurt/Main 2016
ISBN: 9783733500764
Preis: 12,99
Genre: Adoleszenzroman
Thema: Homosexualität, Transgender, Freundschaft
Zielgruppe: Büchereigrundstock Klassenlesestoff

Kurze Inhaltsangabe

David hat zu seinem 14.Geburtstag einen Wunsch: Er möchte ein Mädchen sein. Seine Eltern sind ahnungslos und er selbst ist verzweifelt. In der Schule hat er zwei beste Freunde, die sein Problem kennen und akzeptieren, die anderen Mitschüler spüren nur, dass mit ihm irgendetwas nicht stimmt, und mobben ihn. Dann kommt Leo, ein neuer Schüler, an die Schule.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Der Titel das Buches lässt keine Rückschlüsse auf den brisanten Inhalt zu: zwei Jugendliche, die sich im falschen Körper befinden.

Das Thema Homosexualität und Transgender wird in den letzten Jahren häufig diskutiert. In Großstädten ist es schon nichts Besonderes mehr, man kennt „die Szene“, die Umzüge, die Aktionen aus den Medien. Man kennt auch Betroffene im eigenen Umfeld, aber die meisten wissen das überhaupt nicht. Wundern sich vielleicht, warum der oder die so „anders“ wirken. Denn statistisch sollen ca. 10% der Bevölkerung eine andere sexuelle Orientierung haben! Deshalb ist es auch durchaus glaubwürdig, dass an einer Schule zwei Transgender aufeinandertreffen.

Dieses Buch nimmt sich des Themas außerordentlich feinfühlig und realistisch an. David weiß es seit langem. Wenn er allein ist, zieht er Mädchenkleidung an, schminkt sich und ist glücklich. Doch das sind nur Momente, im Alltag leidet er. Den Mut, es seinen Eltern zu sagen, findet er nicht. Er weiß, dass es ein Schock für sie sein wird.

Als der mürrische, abweisende Leo an die Schule kommt, fühlt sich David auf unerklärliche Art zu ihm hingezogen. Er gewinnt Leos Vertrauen und erfährt, dass Leo als Mädchen geboren wurde, aber sein Coming out schon hinter sich hat und sich in der Phase der Geschlechtsumwandlung befindet. Es dauert nicht lange, bis auch die Mitschüler das Geheimnis der beiden ergründen und ihnen mit geballtem Unverständnis und Häme begegnen.

Diese beiden Geschichten der zwei Jugendlichen ziehen sich als spannender, berührender roter Faden durch das Buch. Parallel dazu werden die beiden Familiengeschichten erzählt: David aus einem behüteten, liebevollen Elternhaus (das nach seiner Beichte geschockt ist, aber zu ihm hält) und Leo aus desolaten, prekären Verhältnissen. Dennoch halten auch seine Mutter und seine Zwillingsschwester zu ihm und unterstützen seinen Weg. Die Suche nach seinem Vater – ein weiterer Handlungsstrang – endet für Leo in einer maßlosen Enttäuschung. Lisa Williamson gelingt es, das alles glaubhaft und atmosphärisch dicht zu erzählen.

Die Verzweiflung, das Unverständnis der Umwelt und die Ablehnung sind leider immer noch im Alltag der Gesellschaft präsent. Obwohl die Betroffenen zahlreich sind, wird es in Schulen und Jugendeinrichtungen noch immer nicht thematisiert, gibt es noch immer Eltern, die sich von ihren Kindern abwenden.

Das Buch sollte trotz seiner 380 Seiten Klassenlektüre werden und sei auch betroffenen Eltern sehr empfohlen.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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