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Ein Schnurrbart erobert die Welt

Autor / Illustrator: Sarah Michaela Orlovsky, Michael Roher
Seitenzahl: 100
Erscheinungsjahr / Verlag: Picus Wien 2016
ISBN: 9783854521891
Preis: 13,90
Genre: Erzählung
Thema: Familie
Zielgruppe: Klassenlesestoff Büchereigrundstock

Kurze Inhaltsangabe

Jojo ist unglücklich, als sein Opa nach dem Tod der Oma plötzlich völlig antriebslos ist. Eines Tages jedoch entscheidet sich Opa, an der Bartweltmeisterschaft teilzunehmen und beginnt begeistert, seinen Bart zu hegen und zu pflegen. Sofort lässt sich Jojo von seiner Begeisterung anstecken und unterstützt Opa, wo er nur kann. Als der große Tag gekommen ist, sind beide aufgeregt: Wird sich die ganze Arbeit gelohnt haben? Und wie wird es danach weitergehen?

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Zugegeben, ein Buch über einen Bart scheint zunächst nicht allzu spannend zu klingen. Dieses Buch jedoch beweist, dass man damit irrt. Die Geschichte um Opa, Jojo und die Bartweltmeisterschaft ist interessant, lustig und herzerwärmend. Die Geschichte besteht aus 17 Kapiteln, erzählt werden jedoch nur 16 Kapitel, da die Autorin glücklicherweise Jojos Rat befolgt hat und die Meisterschaft nicht im 13. Kapitel hat stattfinden lassen, sondern dieses Kapitel einfach übersprungen hat. Denn eine Meisterschaft im Kapitel der größten Pechzahl? Das geht natürlich nicht.

Der Inhalt des Buches ist sehr vielschichtig. Zunächst ist die Geschichte selbst sehr interessant. Gespannt verfolgt der Leser die Entwicklung des zunächst gar nicht vorhandenen Barts bis zum Tag der Meisterschaft, an dem endlich seine besondere Form verraten wird. Diese ist wirklich besonders lustig und außergewöhnlich, ebenso wie die Begründung, warum genau diese Form gewählt wurde. Das soll an dieser Stelle aber ein Geheimnis bleiben, wenngleich der Titel des Buches bereits einen Hinweis liefert. Auch die Zeit nach der Meisterschaft bleibt spannend: Zunächst hat der Leser den Eindruck, alles liefe nun wieder in geregelten Bahnen, jedoch wird er schnell eines Besseren belehrt. Besonders ansprechend ist an der Geschichte auch die Emotionalität, die der Leser häufig zu spüren bekommt, etwa wenn es um die kürzlich verstorbene Oma geht. Dies findet sich zum Teil auch in der Sprache wieder („Für Liebe braucht man keine Worte. Nur viel Herz“).

Ein sehr hervorstechender Aspekt der Geschichte ist ihr Humor. Dieser begegnet dem Leser auf nahezu jeder Seite und lässt auch erwachsene Leser schmunzeln („Lotte quietscht und quietscht und quietscht . (Das bringt niemandem etwas. Aber so sind Mädchen nun einmal)“).

Die Sprache im Buch ist recht einfach, teilweise auch sehr fantasievoll. So ist beispielsweise Opas Bartschere „mega-hyper-giga-scharf“. Weiterhin sind zum Teil rhetorische Mittel, wie zum Beispiel Alliterationen zu finden. Ein möglicher Kritikpunkt wäre die Tatsache, dass die Geschichte von einer Autorin aus Österreich geschrieben wurde und einige Wörter so im Deutschen nicht existieren oder Kindern eher unbekannt sein dürften („Hausübung“, „Tuchent“). Andererseits kann auf diese Weise auch die Sprachsensibilität und Sprachbetrachtung eines Lesers gefördert werden.

Die Bilder im Buch sind größtenteils eher mittelgroß, einfarbig und mit Buntstifttechnik erstellt. Lediglich wenn Jojo Dinge selbst sieht oder verfasst, sieht der Leser diese Dinge aus seiner Perspektive.

Mir persönlich gefällt das Buch außerordentlich gut, da es eine ansprechende und vielschichtige Geschichte ist, die viele humoristische Elemente hat und ein eher uninteressantes Thema sehr interessant behandelt.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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