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Hinter der Milchstraße

Autor / Illustrator: Bart Moeyaert
Seitenzahl: 172
Erscheinungsjahr / Verlag: dtv München 2016
ISBN: 9783423626187
Preis: 8,95
Genre: Erzählung
Thema: Familie, Tod, Freundschaft
Zielgruppe: Büchereigrundstock

Kurze Inhaltsangabe

Jeden Tag treffen sich die Brüder Oskar und Bossie und ihre Freundin Geesje auf der Steinmauer am Schrottplatz. Und jeden Tag kommen Nancy Sinatra und ihr Hund Jeckyll vorbei, die nicht wirklich so heißen, aber auf jeden Fall beide sehr, sehr alt sein müssen. Eine makabre Wette bringt einen Stein ins Rollen, und die Kinder müssen sich Gefühlen stellen, die sie lange unter dem Deckel gehalten haben.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

“Jeckyll stirbt als Erster.” “Nancy. Hundertprozentig Nancy.” Oskar und Geesje wetten mehr aus Langeweile, denn weil sie wirklich den Tod der beiden vorhersagen wollen. Doch am nächsten Tag sind die alte Frau und ihr Hund verschwunden. Dann stirbt Geesjes Tante. Und Oscar verliebt sich in eine total arrogante Ziege. Und Bossie steht ganz allein da. Denn am allerschlimmsten ist, dass die Mutter die Familie verlassen hat.

Ich-Erzähler Bossie lässt sich viel Zeit beim Erzählen. Die sommerliche Hitze, die Langsamkeit, mit der die Stunden zu vergehen scheinen, sie passen perfekt zu den langsamem Veränderungen, die in den Kindern vorgehen. Die werden von Beobachtern zu Akteuren. Sie verlassen ihre Mauer, machen neue, teils verstörende Erfahrungen. Im Krankenhaus, versteckt im Garten des neuen Mädchens, das auf dem Schrottplatz auftaucht, und auf dem Friedhof. Die drei hängen nicht mehr den ganzen Tag zusammen rum, sondern gehen eigene Wege. Geesje in ihrer Trauer um die Tante, Oskar in seiner Verliebtheit in das neue Mädchen und Bossie, indem er einen spontanen Ausflug mit den beiden Schrottplatzbetreibern macht, bei dem er ebenfalls ein ganz besonderes Mädchen kennen lernt. Vor allem für Bossie ist diese Zeit geprägt vom Gefühl des Alleinseins. Von der Mutter hat er seit Wochen außer ein paar nichtssagenden Briefen nichts gehört, der Vater lebt für seine Arbeit und zeigt keine Gefühle für seine Jungs. Bossie sucht einen Menschen, der ihm Halt gibt, und sein großer Bruder ist dafür nur sehr bedingt geeignet. Wie gut, dass beide Eltern sich zu besinnen scheinen.

Bossie und sein Freunde leben ein Leben ohne Schule, ohne Unterhaltungselektronik, ohne Konsum. Die Zahl ihrer Kontaktpersonen innerhalb der Erzählung ist gering. Alles geht einen auffallend ruhigen Gang. Obwohl, oder gerade weil sich dieser Alltag stark von dem der Leser unterscheidet, übt er eine starke Faszination aus.

Bart Moeyaerts Erzählsprache ist poetisch und ausdrucksstark. Seine unkonventionelle Wortwahl und die minutiöse Beschreibung der Szenen fesseln, und das, obwohl die Geschichte kaum Action bietet.

“Hinter der Milchstraße” ist ein Buch mit ungewöhnlichen Akteuren in einer ungewöhnlichen Welt, bei dem die Emotionen der drei jungen Helden im Vordergrund stehen.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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