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Die längste Nacht

Autor / Illustrator: Isabel Abedi
Seitenzahl: 408
Erscheinungsjahr / Verlag: Arena Würzburg 2016
ISBN: 9783401061894
Preis: 19,90
Genre: Adoleszenzroman
Thema: Familie, Freundschaft, Liebe/Erste Liebe
Zielgruppe: Büchereigrundstock

Kurze Inhaltsangabe

Vita bricht mit ihren Freunden zu einer Fahrt durch das südliche Europa auf. In Italien stößt sie durch Zufall auf den Ort, den sie in einem Manuskript bei ihrem Vater entdeckte. Dieses toskanische Bergdorf Viagello zieht sie in ihren Bann. Alles scheint ihr vertraut und gleichzeitig machen ihr die Alpträume große Angst. Bald verdichten sich die Anzeichen derart, dass sie einem Familiengeheimnis auf die Spur kommt und alles bisher Gelebte in Frage stellt. 

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Ein ästhetisches Meisterstück offenbart schon die Ausstattung. Das schwarz-gelbe Cover mit Scherenschnitt Ausprägung macht neugierig. Entfernt man den Schutzumschlag, hält man ein strahlendgelbes Buch in der Hand. Wer Abedi Fan ist, hält sich damit nicht lange auf und beginnt zu lesen.
Der Roman "Die längste Nacht" ist das Soziogramm einer siebzehnjährigen Abiturientin, die ihrer eigenen Geschichte auf der Spur ist und sich am Ende des Romans frei gemacht hat, weil sie ihren inneren und familiären Standort gefunden hat. Vita findet nicht nur die Liebe, die so alt ist wie sie, sondern vor allem, dass sie das zuvor gespürte Wissen jetzt versteht. Im doppelten Sinn kann Vita wieder frei atmen und hat auch die Angst vor allem, was fallen kann, überwunden.

28 namenlose Kapitel plus Epilog ziehen den Leser sofort in Vitas Geschichte. Sie erzählt uns ihre Geschichte, die drei Monate zuvor in Viagello, Italien, passierte; wie sie ihr bisheriges Leben ergründet und das Geschriebene ihrer verstorbenen Schwester widmet. Die Handlungszeit der "Längsten Nacht" deckt einen Zeitraum von nur wenigen Wochen im Sommer ab und erzählt doch eine umfassende Familiengeschichte über Jahrzehnte hinweg.
Das Abitur ist bestanden und die große Freiheit lockt in Gestalt eines Bullis und dem Vorhaben, mit ihren Freunden Trixie und Danilo in Richtung Süden aufzubrechen.

Vitas Elternhaus wird unterkühlt und funktionell beschrieben. Der Tod ihrer Schwester vor vielen Jahren bleibt ein Geheimnis, an das niemand rührt.
Die Freude gelangen zufällig in das toskanische Bergdorf Viagello. Dort lernen sie Luca und seine Familie kennen. Vita empfindet beinahe übersinnlich eine große Vertrautheit, aber auch eine beklemmende Vorahnung. In spannenden Szenen kommt sie einem Familiengeheimnis auf die Spur, das sie mit Lucas Familie verbindet.

Gemeinsam mit Luca nähert sie sich Stück für Stück dem großen Schweigen in ihren Familien; sie decken letztlich ein Geflecht an Lügen auf. Das ist grandios erzählt, der Leser ist nie weiter als Vita und nimmt atemlos an den Irrungen teil, leidet mit ihr an der Unfassbarkeit der Entdeckungen und schwelgt mit ihr in der ersten großen Liebe zu Luca.

Im Buch gibt es eine zweite Handlungsebene. In kursiver Schrift schildert jemand, der sich als Autor des geheimnisvollen Buches entlarvt, seine Bedenken und seine Zwänge dieses Buch zu schreiben und der Wahrheit das Licht zu geben. Damit legt der Text quasi sich selbst Rechenschaft ab, ein toller stilistischer Kniff!

Die Autorin hat hier eine Geschichte komponiert, die sprachlich mitreißt und den Leser quasi mitzieht. Sie findet für Vitas Gefühle eingängige Bilder und Vergleiche, bedient sich bei Symbolen und besticht mit einem spannenden Plot. Durch die Ich-Perspektive bietet sich dem Leser/Leserin eine Unmittelbarkeit an, die uns die Handlung real erscheinen lässt.

Für weibliche Leser ab 15 ein Buch zum Abtauchen in einer langen Nacht, mit Spannung, Romantik und Sprachvergnügen. Für Jungen vielleicht nicht so interessant.

"Aber ein Schriftsteller war wie Gott. Das Leben der Figuren lag in seinen Händen, er konnte Kriege entfachen, Tote wieder zum Leben erwecken… es gab nur eine Bedingung, und die wurde ihm mit jedem Tag, an dem er mit dem Weiterschreiben kämpfte, bewusster: Er musste glaubwürdig sein." (S.160).

Und genau das kann man von diesem Buch sagen!

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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