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Neuschnee

Autor / Illustrator: Ingrid Olsson
Seitenzahl: 109
Erscheinungsjahr / Verlag: Mixtvision München 2016
ISBN: 9783958540675
Preis: 12,90
Genre: Erzählung
Thema: Liebe, Familie, Einsamkeit
Zielgruppe: Büchereigrundstock Klassenlesestoff

Kurze Inhaltsangabe

Acht kurze Erzählungen über Jugendliche, die sich von zu Hause abnabeln, erwachsen werden (müssen) und dabei allzuoft auf sich allein gestellt sind.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Die Schwedin Ingrid Olsson schildert in den acht kurzen Erzählungen existentielle Situationen von Jugendlichen. Es geht dabei um ungewollte Schwangerschaft, den Umgang mit dem Tod der Mutter, um die Lösung vom Elternhaus, aber auch um die Sehnsucht nach mehr Umsorgtheit. Und natürlich auch um Liebe. Damit werden zentrale Themen angesprochen, mit denen sich Jugendliche am Übergang zum Erwachsenensein auseinandersetzen (müssen).

Angeboten werden in den Erzählungen Situationen, die zum Nachdenken, Weiterdenken und vielleicht auch zum Austausch mit anderen anregen, die aber keine einfachen Lösungen anbieten, sondern vor allem beschrieben werden. "Er steht auf dem Bahnsteig. Schaut zu den offenen Türen herein. Eigentlich sollte er einsteigen, aber er weiß nur noch, wie man steht, kerzengerade und mit einer Plastiktüte in der Hand. Die Türen schließen sich wieder. Der Zug fährt an, verschwindet im Tunnel." (S. 19) So beginnt die Erzählung "Das Halstuch", in der es um einen Jungen geht, dessen Mutter gerade gestorben ist und der aus dem Krankenhaus die letzten persönlichen Dinge abgeholt hat, die sie dort bei sich hatte.

Trotz der eher sachlichen Darstellung, oder vielleicht auch gerade wegen ihr wird die Leserin oder der Leser zum Mitfühlen herausgefordert. Nicht immer ist das die Person, die beim Erzählen fokalisiert wird. In "Der Rucksack" macht sich ein Junge heimlich auf eine große und lange Reise und verabschiedet sich vom Vater, der denkt, dass der Sohn nur übers Wochenende zum Skifahren fährt. Die ambivalenten Gefühle des Jungen können dabei nachvollziehen, aber auch für den Vater wird den Lesenden Verständnis nahegelegt.

Olsson gelingen hier acht Mizellen, die acht kurze Lebensausschnitte von Jugendlichen schildern, aber viel mehr zu sagen haben, als auf dem Papier zu finden ist.

Christoph Jantzen, AJuM Hamburg

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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