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Buchtipp Archiv

Elefanten sieht man nicht

Autor / Illustrator: Susan Kreller
Seitenzahl: 204
Erscheinungsjahr / Verlag: Carlsen, Hamburg 2016
ISBN: 9783551314581
Preis: 6,99
Genre: Adoleszenzroman
Thema: Kindesmisshandlung, Familie
Zielgruppe: Büchereigrundstock

Kurze Inhaltsangabe

Mascha verbringt ihre Sommerferien wie immer bei ihren Großeltern. Langweilig ist es dort. Die meisten Bewohner der Siedlung sind im Alter ihrer Großeltern. Als sie sich jedoch einmal auf dem Spielplatz rumtreibt, lernt sie Max und Julia und deren Geschichte kennen. Sie will den beiden helfen, verstrickt sich jedoch immer mehr in Lügen und Ausreden, die die Situation scheinbar noch viel schlimmer machen.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

In dem Buch geht es um "häusliche Gewalt" gegenüber Kindern. In unserer heutigen Zeit ein sehr brisantes Thema. Die Misshandlung von Kindern jeglicher Art ist als Kindeswohlgefährdung zu sehen und somit strafbar. In unserer Gesellschaft sehr verpönt, dennoch schauen oft genug die Menschen weg. Immer wieder ist es erschreckend, wie einige davon überzeugt sind, dass ein "Klapps" auf den Po niemandem schadet. Ich denke und befürchte, dass diese Geschichte für die Jungend noch sehr viel Identifikationspotential enthält.

Das Anliegen des Autors ist, das zur Sprache bringen, was viele tot schweigen, ein Tabu-Thema ansprechen. Das Buch zeigt eine Erinnerung von Mascha, denn es beginnt mit dem Ende der Geschichte aus Maschas Sicht. (erkennbar durch viele Dialoge) Zum Schluss der Geschichte bleibt jedoch ein offenes Ende, denn man weiß nicht, was mit Max und Julia nach ihrem Fund passiert. Eine Lösung des Problems ist für mich nicht zu erkennen, ich empfinde eher, dass der Autor die Menschen dazu anregen möchte genau hinzusehen und rechtzeitig einzuschreiten. Der Autor benutzt sehr lange Sätze mit vielen Nebensätzen.

Der Text ist sehr emotional, aber auch sehr appellativ, denn er fordert den Leser auf besser hin zu schauen. Die Menschen in dieser Siedlung sind so unterschiedlich, wie sie nur sein können. So wie es eben im echten Leben ist. Die Geschichte ist sehr glaubwürdig, da in dieser Geschichte sehr viele Details passen. Der erfolgreiche Vater, der mit dem Stress nicht zurechtkommt, die Kinder, die um die Zuneigung kämpfen, auch wenn sie nur negative erfahren, und Mascha, die das Gefühl hat etwas unternehmen zu müssen, aber nicht weiß, wo sie anfangen soll. Es handelt sich hier um ein Abbild der Realität. Das Rollenverständnis von der netten, erfolgreichen, vierköpfigen Familie in einer unbesorgten Familie neben dem alleinerziehenden Vater, der völlig überfordert ist.

Das Buch finde ich sehr gut getroffen, da es aus dem Leben gegriffen ist und vielen Jugendlichen aus der Seele spricht oder sie zumindest dafür sensibilisiert. Da ich es gewohnt bin Dialoge in Anführungszeichen vorzufinden, war ich über die listenartige Aufführung erst etwas irritiert, aber das nur als kleine Anmerkung am Rande. Man gewöhnt sich sehr schnell daran und das sollte auf jeden Fall kein Ausschlusskriterium sein das Buch zu erstehen. Das Buch ist sehr empfehlenswert.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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