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Zwei Tage zwei Nächte und die Wahrheit über Seifenblasen

Autor / Illustrator: Angela Mohr
Seitenzahl: 312
Erscheinungsjahr / Verlag: Arena, Würzburg 2016
ISBN: 9783401601229
Preis: 12,99
Genre: Erzählung / Roman
Thema: Jugend, Adoleszenz, Gefühle, Außenseiter, Behinderung, Abenteuer, Flucht, Liebe
Zielgruppe: Büchereigrundstock

Kurze Inhaltsangabe

Nik und Aino, beide auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit, treffen in einem Zug aufeinander und beschließen, die nächsten 48 Stunden miteinander zu verbringen. Dies bringt sie nicht nur der Lösung ihrer Probleme, sondern auch einer gemeinsamen zufriedenen Zukunft näher.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Das Buch ist ein bewegender, gefühlvoller und nicht leicht durchschaubarer Jugendroman. Der Ich-Erzähler berichtet abwechselnd aus Niks und Ainos Perspektive. Dadurch kann der Autor dem Leser eine unterschiedliche Sicht auf die Dinge nahebringen, denn nicht jedes Erlebnis wird von beiden Personen gleich aufgenommen und interpretiert. Wichtig ist die Erzählperspektive aber vor allem, um die Gefühlswelt der Protagonisten kennenzulernen.

Zuerst ist da Nik, der nicht nur viele Gedanken hegt, sondern auch viel redet ohne viel darüber nachzudenken. Er ist 16 Jahre jung, macht aber, trotz leichtsinniger und impulsiver Handlungen, einen reiferen Eindruck. Seine Darstellungen sind größtenteils nachvollziehbar. Schnell entdeckt der Leser bei dem scheinbar realistischen, lockeren Jungen eine seelische Störung – er unterhält sich in Gedanken mit dem „Captain“, der seine Aktionen und Reaktionen steuert, wenn es heikel wird. Anhand dieser Dialoge wird dem Leser klar, dass Nik unter einer starken psychischen Belastung steht, der er nicht entrinnen kann. Trotz dieser Tatsache und vermehrter krimineller Energie wirkt Nik sympathisch und zieht den Leser auf seine Seite. Die zweite Hauptperson ist Aino und wesentlich komplizierter und schwerer zu verstehen als Nik. Aino spricht nicht, nicht mit Nik und auch mit niemand anderem. Auch die von ihr dargestellten Gedanken wirken anfangs so, als wolle sie nicht mit dem Leser kommunizieren. Die Sätze sind kurz, teilweise kryptisch, manchmal fast lyrisch. Sie stellt viele unbeantwortete Fragen und zählt ständig zwischendurch die Namen von wortlosen Gesängen auf. Außerdem erzählt sie nur dem Leser die Geschichte des Altaikriegers, die sich unabhängig von der eigentlichen Erzählung durchs ganze Buch hindurchzieht. Das alles lässt Aino kühl, abweisend und teilweise unerträglich wirken. Erst im Laufe der Geschichte versucht Aino stotternd zu sprechen, was dem Leser Verständnis für ihre schwierige Lage aufbringen lässt. Da die Autorin selbst stottert, wirken Ainos Sätze in keiner Weise gekünstelt und sind wirklichkeitsnah.

Die Geschichte selbst bringt die Darsteller rein zufällig zusammen und wirft sie immer wieder in neue Situationen. Aino möchte in zwei Tagen in ein Schweigekloster eintreten und erlaubt Nik, ihr in dieser Zeit das Leben zu zeigen, das sie verpassen könnte. Nik wiederum ist froh für eine Weile aus seien familiären Strukturen ausbrechen zu können. Ungeplant durchstehen die beiden Abenteuer, wobei beiden immer wieder ihre Vergangenheit im Weg steht. Gerettet werden sie oft nur durch die sich entwickelnde Liebe zwischen ihnen, die ihnen Kraft und Halt gibt. Erst kurz vor Beendigung der 48 Stunden schaffen beide es, sich dem anderen zu offenbaren. Damit scheint der Bann gebrochen und die Zukunft kann sich zum Besseren wenden. Auch wenn man sich als Leser ein gutes Ende wünscht, erscheint es in diesem Buch doch zu schnell gut zu werden. Es ist nicht nachvollziehbar, warum Niks Situation in seiner Familie plötzlich besser geworden sein soll. Auch die „Wahrheit über Seifenblasen“ kommt etwas zu kurz. Ainos Lage ist da schon besser verständlich. Immerhin war sie für mehrere Monate im Kloster und konnte sich über diese Zeit mit allen Umständen ihres Lebens und ihrer Zukunft vertraut machen. Der Ausblick auf ein gemeinsames Glück von Aino und Nik fernab ihrer bisherigen Welt ist im Gegensatz zum schnellen Ende allerdings einleuchtend und durchaus überzeugend.

Das Buch mit seinen Charakteren und Konstellationen ist feinfühlig und ausdrucksstark. Es berührt und beschäftigt den Leser auch noch Tage, nachdem er das Buch durchgelesen hat.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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