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Blood & Ink – Die Bücher von Timbuktu

Autor / Illustrator: Stephen Davies, Christian Schneider
Seitenzahl: 285
Erscheinungsjahr / Verlag: Aladin, Hamburg 2016
ISBN: 9783848920723
Preis: 14,95
Genre: Erzählung / Roman
Thema: Islamismus, Timbuktu, Manuskripte
Zielgruppe: Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei

Kurze Inhaltsangabe

Im Jahr 2012 erobern Islamisten, unterstützt von Tuareg-Rebellen, die alte Handelsstadt Timbuktu in Mali. Bei den Islamisten, den selbsternannten „Verteidigern des Glaubens“, kämpft auch der 15jährige Ali Konana. Seine Gegenspielerin ist die gleichaltrige Kadija Diallo. Beide stehen zwar in unterschiedlichen Lagern, aber langsam wird aus anfänglicher Sympathie eine heftige Liebe, die schließlich Kadija das Leben rettet.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

„Bekanntlich ist der historische Roman ein heikles Genre“, schreibt der Verfasser im Nachwort. Es gelingt ihm trotzdem, auf dem historischen Hintergrund glaubhaft und überzeugend eine zarte Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Menschen zu zeichnen.

Als im Jahr 2012 die Islamisten die von einem liberalen, toleranten Islam durchdrungene Wüstenstadt Timbuktu erobert haben, errichten sie ein von der Scharia bestimmtes Terrorregime: Singen, Tanzen, Alkohol, Radiohören und Fernsehen werden verboten, Mädchen ab zehn Jahren und Frauen werden gezwungen, sich nur verschleiert in der Öffentlichkeit zu zeigen. Verstöße gegen diese Anordnungen werden mit öffentlicher Auspeitschung bestraft.

Unter dem Kommando des real existierenden Omar Ould Hamaha („Rotbart“) werden die Bars in der Stadt gesprengt, darunter das legendäre Künstlercafé „La Détende“. Nachdem auch die zum Weltkulturerbe zählenden Grabmäler der muslimischen Gelehrten und Heiligen Timbuktus der Spitzhacke der Fanatiker zum Opfer gefallen sind, geraten die weltberühmten Manuskriptsammlungen der Wüstenstadt ins Visier der Dschihadisten. Immer wieder begegnen sich bei den Auseinandersetzungen zwischen den islamistischen Besatzern und den Einwohnern Timbuktus der 15jährige Ali Konana und die gleichaltrige Kadija Diallo. Aus anfänglicher Gegnerschaft wird schnell Sympathie, aus Sympathie Zuneigung, aus Zuneigung schließlich Liebe. Höhepunkt des Romans ist die Rettung der äußerst wertvollen Handschriften vor der Vernichtung durch die Islamisten. Bei dieser Rettungsaktion spielt Kadija eine wichtige Rolle. Als sie dabei ertappt wird, wird sie wegen der falschen Anschuldigung, Unzucht getrieben zu haben, zu hundert Peitschenhieben verurteilt. In einer spektakulären Aktion wird sie von Ali gerettet und in den unbesetzten Süden Malis gebracht.

Diese auf realem Hintergrund frei erfundene Geschichte fesselt auch wegen der Aktualität des Geschehens von der ersten Seite an. Überaus gelungen ist die ständig wechselnde Erzählperspektive: Ali erzählt die Ereignisse aus seiner Sicht, Kadija aus der ihren. Beide berichten als Ich-Erzähler, was dem Leser auch Einblicke in das Innenleben der beiden Helden verschafft. Oft werden die gleichen Ereignisse von beiden Seiten beleuchtet. Dies und das Präsens als Erzählzeit schaffen eine starke Eindringlichkeit. Die Dialoge sind ausgesprochen lebendig, manches Mal sogar in ihrer süßen Naivität richtiggehend erheiternd, so etwa, als Ali seine Gesprächspartnerin rügt, weil sie keinen Schleier trägt.

Der Roman ist trotz des bedrückenden Hintergrundes wegen der lebendigen, farbigen Sprache flüssig und leicht zu lesen. Eine Karte erleichtert die geografische Orientierung, ein kleines Glossar die begriffliche. Eine eingeschobene Textauswahl aus den berühmten Manuskripten lässt erkennen, worum es bei den alten Handschriften geht. Unterm Strich ist dieser Roman auch ein Loblied auf Bücher und Gelehrsamkeit: „Am Tag des Jüngsten Gerichts wird die Tinte der Gelehrten gegen das Blut der Märtyrer aufgewogen und für schwerer befunden werden“, heißt es einmal.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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