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Djadi, Flüchtlingsjunge

Autor / Illustrator: Peter Härtling, Franziska Walther
Seitenzahl: 116
Erscheinungsjahr / Verlag: Beltz, Weinheim 2016
ISBN: 9783407821645
Preis: 12,95
Genre: Roman
Thema: Angst, Außenseiterin/Außenseiter, Flucht
Zielgruppe: Büchereigrundstock

Kurze Inhaltsangabe

Jan, der Sozialarbeiter, hat Djadi in der Jugendhilfe kennengelernt, weiß, dass er ohne Eltern und Geschwister ist, aus Homs stammt und bringt ihn zu sich nach Hause, in die Wohngemeinschaft von drei Paaren. Djadi ist traumatisiert, muss erst wieder reden lernen und Zutrauen finden. Jugendamt und Nachbarn misstrauen der Zukunft des Kindes. Alle aus der WG helfen Djadi, besonders der 75jährige Wladi. Nach einigen Rückschlägen gelingt es Djadi Vertrauen aufzubauen.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Ein außergewöhnliches Buch, das auf ganz wenigen Seiten die Problematik eines Flüchtlingskindes aus Syrien vorstellt. Wohl sind in die Schilderungen der Gemütszustände auch die eigenen Erlebnisse des Autors als Flüchtlingskind eingeflossen. Das macht das Buch noch authentischer.

Djadi ist kein liebenswerter Junge, den man sofort ins Herz schließen müsste. Er ist dünn, zu klein für sein Alter, spricht nicht und ist offensichtlich traumatisiert.
Jan bringt ihn mit nach Hause in die Wohngemeinschaft, weil das Kind völlig allein ist. Zögernd lässt sich die Wohngemeinschaft auf ihn ein. Die Mitglieder schaffen es durch ihre verschiedene Art, mit dem Kind umzugehen, dass Djadi Vertrauen fassen kann, die Sprache wieder findet und die Zuhörer stückchenweise sein Schicksal kennenlernen. Ohne die Hilfe dieser Erwachsenen hätte es Djadi wohl nicht geschafft. Er, der sich selbst als fremd und anders empfindet. Seine Angst vor dem Meer ist so groß, dass er wohl nie darin baden und schwimmen wird. Er hatte mit angesehen, wie die Schlepper seine Eltern im Meer ertränkt haben.

So liebevoll wie die Mitglieder der Wohngemeinschaft gehen nicht alle mit Djadi um. Das Jugendamt ist absolut nicht begeistert, dass das Kind in seine Obhut gerät. Die WG wird schikaniert, alle müssen sich polizeiliche Führungszeugnisse beschaffen. Die Nachbarn erstatten Anzeige, weil es doch fraglich sei, dass eine WG ein Kind erziehen könnte. Auch die ewigen Stammtischparolen über Flüchtlinge und Asylanten werden thematisiert. Da ist Djadi seelisch schon so weit stabil, dass er sich entgegenstellt und sagt, dass er ein Asylant ist. Typisch, wie sich dann die Gespräche der Stammtischrunde ändern.

Als Wladi, zu dem Djadi ein besonderes Vertrauensverhältnis hat, stirbt, ist das Herz des Kindes voller Trauer. Jeden Tag besucht er das Grab. Eines Tages bemalt er zwei Pflastersteine mit einem P für Papa und einem M für Mama. Beide Steine kommen nun auf Wladis Grab. Vielleicht ist es ein Zeichen, dass der Junge über den Schmerz hinaus nun fähig ist, den Verlust der Eltern zu betrauern.

Ein sachliches, doch ungeheuer anrührendes Buch! Bestens geeignet, um mit Kindern und Jugendlichen die Fragen zu den Flüchtlingen zu diskutieren und zur Meinungsbildung beizutragen.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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