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Nora und das kleine blaue Kaninchen

Autor / Illustrator: Martin Berdahl Aamundsen, Nothart Rohlfs, TSM Crew
Seitenzahl: 36
Erscheinungsjahr / Verlag: Gingko Press, Hamburg 2016
ISBN: 9783943330113
Preis: 16,90
Genre: Bilderbuch
Thema: Außenseiter, Freundschaft, Gefühle
Zielgruppe: Büchereigrundstock

Kurze Inhaltsangabe

Erste Klasse, neu in der Gegend: Nora ist Außenseiterin. Über das Konstrukt einer ‚lebendigen Zeichnung' findet sie einen Gleichgesinnten. Sehen- und lesenswert ist nicht nur die Geschichte, sondern auch die sehr ungewöhnlichen Bilderkompositionen. Norwegisch, auf der Empfehlungsliste des LesePeters, sehr empfehlenswert. Hardcover.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Erste Klasse, neu in der Gegend: Nora ist Außenseiterin. Über das Konstrukt einer ‚lebendigen Zeichnung' findet sie einen Gleichgesinnten. Sehen- und lesenswert ist nicht nur die Geschichte, sondern auch die sehr ungewöhnlichen Bilderkompositionen.

Nora geht in die erste Klasse. Nora ist Außenseiterin. Niemand spielt mit ihr, der freche Fredrik stößt und schubst sie, aber auch andere Kinder sind Ziel seiner Wildheit. Da bleibt Nora lieber zurück auf dem Schulhof, bis alle anderen bereits im Schulgebäude sind. Bevor sie selbst in den Klassenraum geht, hat sie so ein Gefühl, dass sie jemand beobachtet, aber sie entdeckt niemanden. Wir schon. Es ist ein blaues Kaninchen, das sich bald auf dem Fenstersims auch Nora zeigen wird. Bildet sie sich das ein? Ist es tatsächlich da, um Nora aus ihrer Isolierung zu erlösen? Von den anderen Kindern sieht jedenfalls keines das blaue Kaninchen.

Viel später wird sich zeigen, dass es nicht nur dieses deutlich gezeichnete blaue Kaninchen gibt, sondern auch ein grünes Nilpferd – und einen Jungen, der wie Nora die beiden Gezeichneten sehr wohl sieht. Kurz darauf haben die beiden Kinder die gezeichneten Figuren nicht mehr nötig, sie haben sich einander selbst gefunden.

Die Geschichte kommt mit wenig Text aus. Den Hintergrund bilden oft Hauswände, denen man ansieht, dass eine Renovierung nicht schaden könnte, die Farbe über die vielen defekten kleinen Stellen nur notdürftig hinwegtäuscht. Nora wird in die Bilder ebenso hineinkopiert, wie das Kaninchen, das Nilpferd, Fredrik, die anderen Kinder. Die sind nur als schwarze Schatten zu sehen, also austauschbar sind.

Wir kennen die Ausgrenzungs-Situationen. Da scheint niemand eine Schuld zu haben, niemand etwas zu beabsichtigen. Nora - und viel später der Junge mit dem grünen Nilpferd – erhält von Anfang an ein Gesicht, eine Kleidung, einen sichtbaren Körper. Aber auch der entspricht nicht der Wirklichkeit. Das Bild von ihr ist digital so bearbeitet, dass die Farben entfernt wurden und die Konturen sehr stark herausgestellt werden, also auch keine Grautöne übrig bleiben. Ihre Bewegungen sind wie eingefroren, ihr Körper ist durchsichtig vor den unterschiedlichen Wänden, die bereits oben angesprochen wurden. Ganz im Gegensatz zu der Kälte der Wände und der Unwirklichkeit der Person(en) sind die ausgesprochen farbigen kleinen Skizzen: Malstift, schiefer Würfel, Blume, Kreise, ein Segelboot, ein Fesselballon, Notenzeichen, Zahlen usw., die scheinbar wahllos vor die Wände geworfen wurden.

Die pädagogische Zielrichtung der Geschichte ist sehr deutlich: Auch du bist nur jetzt allein und wirst jemanden finden, denn du bist besonders und der andere auch. Aber das ist nicht dick aufgetragen, im Gegenteil durch die plakative Art der Darstellung gut nachvollziehbar. Nora ist dazu ein sympathisches kleines Mädchen, das sich mit dem angeblich wilden Fredrik auf einer Ebene treffen kann.

Eine sehr ungewöhnliche und mutige Darstellung, ein wichtiges Thema, eine gute Botschaft. Für Kinder, die die Geschichte nachspielen möchten, hat der Verlag im Vorsatz ein großes blaues Kaninchen eingeheftet – und im Nachsatz ein braunes (!) Nilpferd. Man darf die Rückseiten aber auch andersfarbig gestalten.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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