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Als der Elsterkönig sein Weiß verlor

Autor / Illustrator: Linda Wolfsgruber, Michael Stavaric
Seitenzahl: 36
Erscheinungsjahr / Verlag: Kunstanstifter Mannheim 2017
ISBN: 9783942795470
Preis: 24,00
Genre: Bilderbuch
Thema:
Zielgruppe: Büchereigrundstock

Kurze Inhaltsangabe

Herrliche Vögel, diese Elstern! Prall gefüllte Körper mit klarem Federkleid in Weiß und Schwarz bestimmen ihre Welt. Doch dann kommt eines Tages ausgerechnet dem König der Elstern das Weiß abhanden. So deutlich Schwarz und Weiß sich trennen, so undeutlich sind die Bilder - nicht zum Nachteil der Geschichte!

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Dem aufwendigen Produkt mit Leinenbindung folgen die Bilder, die mit schnellem und mutigem Pinselstrich der Geschichte eine Möglichkeit der Verifikation des Textes anbieten. Sicher nicht gewollt und vorhergesehen, doch wir erleben eine ähnliche Situation seit der Inauguration des US-Präsidenten 2017. Der König ist gewählt, doch nun stellt nicht nur er fest, ob er denn die geeignete Person ist. Denn ganz plötzlich - warum auch immer - ist er nicht mehr einer von ihnen. Was also soll er tun?

Hier verbietet der Elsternkönig einfach alles, was HELL ist oder WEIß. Das führt, man ahnt und/oder weiß es längst, zu einer dunklen Welt, unter die man sich am besten duckt - anstatt sich aufzurichten und selbstbewusst zu sagen: Ich bin ich. Du bist du. Wir sind wir.

Der Text beansprucht wenige Zeilen am oberen Seitenrand des Buchs, die dazu passenden Bilder ergänzen sich zu beiden Seiten, sind also deutlich doppelseitig angelegt. Linda Wolfsgruber führt den Pinsel in einem Schwung und füllt auch nachträglich nicht die kleinen Lücken, die die Farben auf den Borsten nicht füllten. Wie hingehuscht wirken die Bilder, undeutlich und doch sehr aussagekräftig. Ein wunderbares Spiel mit der Darstellung von Wirklichkeit durch deutliche Zeichen der Malerei! Ein Gewirr von blattlosen Ästen, gespickt mit Vögeln, deren helle Lücken unsere Augen selbstständig füllen zum Bild der Elster, merkwürdig blasse rote, rotgelbe, lehmfarbene und hellgraue Tupfer. Bevor die Welt auf Befehl des Elsterkönigs ohne sein Weiß dunkel werden wird, kommen Verschwörungstheorien ins Spiel, die die Bilder mit ungewöhnlichen Objekten auf dem Kopf der Elstern interpretieren.
Dass und wie der Elsterkönig im Alter und in der Ferne sein Weiß doch noch wiederfand, klärt zwar nicht, warum er es einst verlor, aber es zeigt, dass spätestens im Alter doch alles nicht mehr so ganz eng gesehen wird - wenn man es denn zulassen kann.

Eine einfache Interpretation bietet sich weder für Kinder noch für Vorleser an. Die Geschichte und die Bilder beschreiben einfach, dass es so kommen kann, wie es hier kommt. Es gibt keinen erkennbaren und schon gar nicht einen einleuchtenden Grund für das Ereignis, aber dennoch merken alle die Auswirkungen. Das Ende öffnet zwar nicht die Sicht, wohl aber die Erkenntnis, dass es am Ende doch GUT werden kann.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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