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Enno Anders. Löwenzahn im Asphalt

Autor / Illustrator: Astrid Frank, Regina Kehn
Seitenzahl: 160
Erscheinungsjahr / Verlag: Urachhaus Stuttgart 2017
ISBN: 9783825151225
Preis: 14,90
Genre: Erzählung
Thema: Außenseiter / Freundschaft / Übersensibilität
Zielgruppe: Büchereigrundstock

Kurze Inhaltsangabe

Enno Anders ist zum Leidwesen seiner Lehrerin und zur Sorge seiner Mutter tatsächlich anders als gleichaltrige Jungen: auffallend verträumt, ungeschickt, langsam und meist unfähig, ganz alltägliche Aufgaben zu meistern. Enno selbst nimmt seine Andersartigkeit deutlich wahr und vergleicht sich mit blühendem Löwenzahnunkraut, das zwischen grauem Stein um das Überleben kämpft. Bis er durch unterschiedliche Geschehnisse lernt, dass er in seiner Andersartigkeit auch im positiven Sinne besonders ist.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Enno ist elf Jahre alt, verträumt, fantasiebegabt, hochsensibel und empathisch.

Zurecht kommt er in seinem Leben, in dem er scheinbar keinen Erwartungen gerecht wird, jedoch oder gerade deshalb nicht. Alles macht er falsch, selbst einfache Aufgaben enden im Ergebnis im Chaos. Dafür nimmt er alltägliche Reize der Umwelt besonders stark wahr und reagiert irritiert und abgelenkt und mitunter sogar verstört. Vor allem die Mutter und die ältere Schwester sind genervt, ganz zu Schweigen von Ennos Klassenlehrerin, die ihn für einen Förderschüler hält und auch so behandelt.

Einen Tisch decken, Kleidung richtig herum anziehen, nicht ständig Gegenstände umstoßen, all diese Dinge würde Enno so gerne ohne Komplikationen können, um normal zu sein und nicht immer negativ aufzufallen.

Der Protagonist spürt die Enttäuschung und Sorge der Mutter, er fühlt sich abgelehnt und fremd. In Fantastereien malt Enno sich aus, dass er eigentlich von einem fremden Planeten kommt, auf dem alle so sind wie er.

Einen Aufsatz in der Schule nimmt er zum Anlass, einen Ausschnitt aus seiner Fantasiewelt aufzuschreiben, und verfehlt damit prompt das Thema. Das Schulziel, die Gymnasialempfehlung, ist gefährdet und Ennos Mutter ist mehr als besorgt und enttäuscht.
Die Sorge um Ennos Schullaufbahn spitzt sich zu und führt zu einer großen Auseinandersetzung zwischen seinen Eltern. Enno, der durch Zufall Zeuge dieses Streits wird, hört alle Zweifel und vermeintlichen Defizite, die er aus Sicht seiner Mutter hat, mit an.

Sein Anders-sein scheint vor allem seine Mutter viel Kraft zu kosten, so dass Enno sich wünscht, keinem mehr zur Last zu fallen und er sich seine eigene Beerdigung ausmalt, bei der er mit einem Raumschiff von seiner eigentlichen Familie auf den Heimatplaneten zurückgebracht wird und seine außerirdische Mutter, die seiner Erdenmama genau gleicht, sagt, wie großartig und besonders er ist.

Immer wieder flüchtet Enno sich in seine Fantasiewelt, am liebsten in die außerirdische. Diese bringt er auch zu Papier und träumt davon, mit dieser Geschichte einen Schreibwettbewerb für Erwachsene zu gewinnen.

Glücklicherweise hat er einen Freund, Olsen, der durch seine Hochbegabung auch ein Außenseiter ist. Bei ihm fühlt Enno sich angenommen und verstanden. Und auch Ennos pubertäre Schwester macht sich für ihren jüngeren merkwürdigen Bruder stark, wenn es dringend nötig ist.

So kommt es, dass Enno am Ende weniger von Mitschülern gemobbt wird, er seine Außerirdischengeschichte veröffentlichen darf und sogar seine Mutter beginnt, ihre Erwartungshaltung und ihre Gefühle gegenüber ihrem Sohn zu reflektieren.

Das klingt nach vorhersehbarem Happy End, aber das ganze Buch ist fern jeglicher Oberflächlichkeit geschrieben, auch wenn die Figuren nicht immer ohne Klischees dargestellt sind (die verständnisvollen Eltern des hochbegabten Freundes, die garstige engstirnige Lehrerin).

Eindrücklich erlebt man als LeserIn Ennos Alltag aus seiner Sicht, seine Trauer, seine Freude und auch seine andere Wahrnehmung der Welt.

Löwenzahn im Asphalt ist ein berührendes Buch über besonders empfindsame kindliche Außenseiter. Viele Aspekte im Erleben der betroffenen Kinder werden treffend und ohne Verharmlosung oder Überbewertung dargestellt. Das Buch schafft damit Identifikationsmöglichkeiten für Betroffene einerseits und kann andererseits zu einem besseren Verständnis und damit erhöhter Akzeptanz von Kindern beitragen, die nicht in das gewöhnlich vorherrschende Erwartungsschema passen.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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