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Buchtipp Archiv

Neonazi

Autor / Illustrator: Timo F.
Seitenzahl: 223
Erscheinungsjahr / Verlag: Arena Würzburg 2017
ISBN: 9783401602943
Preis: 9,99
Genre: Biografie
Thema: Außenseiter / Rechtsextremismus / Nationalsozialismus / Kindheit
Zielgruppe: Büchereigrundstock Klassenlesestoff

Kurze Inhaltsangabe

In dem autobiografischen Roman berichtet der Protagonist Timo F. von seiner Kindheit und seinem Einstieg in die rechtsextreme Szene bis zu seinem Ausstieg.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Die Erfahrungen des Autors aus seiner Kindheit und seiner Karriere in der rechten Szene beschreibt er in Form eines autobiografischen Romans. In einer Autobiografie berichtet der Autor über sein eigenes Lebens. Dadurch kann sehr glaubhaft und wahrheitsgetreu das Erlebte dargestellt werden und es führt so zu einer großen Plausibilität beim Leser. Der Autor beschreibt seine innersten Gefühle und Gedanken. Dies ermöglicht es dem Leser sich in den Protagonisten hineinzuversetzen und ihn zu verstehen.

Timo F. berichtet zunächst von seinem Aufwachsen in schweren Verhältnissen. Die Mutter ist arbeitslos, wechselt häufig die Partner und schafft sich mit diesen Kinder an. Der Vater von Timo hat die Familie bereits verlassen als er ein Baby war. In der Familie lernt er kaum Liebe und Zuneigung kennen. Er wird nicht so angenommen und geliebt, wie er ist. Timo ist immer auf der Suche nach Anerkennung und Anschluss. Teilweise bleibt ihm nur seine Mutter. Deshalb legt er besonders auf ihre Bestätigung wert. Mit ca. 13 Jahren spielt sie ihm rechte Musik vor und berichtet stolz von ihrer Jugend in der rechtsextremen Szene. Als sich Timo dieser Szene annähert, fühlt er sich das erste Mal ernst genommen. Seine Mutter hört ihm zu und sie sind endlich wie verbunden. Als er sich in der rechten Politik engagiert, findet er Anerkennung und wird integriert. Er fühlt sich wohl und stark in der Kameradschaft. Doch in der Neonazi-Szene kommen Timo Zweifel. Die Theorien und Aktionen überzeugen ihn nicht. Aber er findet keinen anderen Anschluss. Die Szene fühlt sich für ihn wie die Familie an. Er verdrängt seine Bedenken bis die Polizei ihn verhört. Nun bleibt die Angst vor den alten Kameraden, die ihn als Verräter verachten und bedrohen. Mit Unterstützung der „Aussteigerhilfe Rechts“ gelingt Timo der Ausstieg.

Der Leser nimmt an den Gedanken und Gefühlen von Timo teil. Er erfährt die innere Zerrissenheit des Jugendlichen. Auf der einen Seite wünscht er sich Anerkennung egal wie und auf der anderen Seite möchte er ein normales Leben führen, einen Schulabschluss machen, eine Arbeit finden und eine eigene Familie gründen.

Das Buch gibt dem jungen Leser die Möglichkeit sich in Timos Erlebnissen wiederzufinden, seine Probleme und Ängste zu teilen und zu verstehen. Die Entscheidung von Timo ist mutig und verdient Respekt. Dies kann dem jungen Leser die Chance geben, sein Leben selber in die Hand zu nehmen und Mut zur Selbstbestimmung zu zeigen. Er kann in Timo ein Vorbild finden.

Der Ausstieg aus extremen Gruppen ist schwierig und gefährlich. Wie bei Timo sind Drohungen aber auch körperliche Angriffe an der Tagesordnung. Allein den Ausstieg zu schaffen ist kompliziert. In der Autobiografie wird Timo durch die „Aussteigerhilfe Rechts“ geholfen. Der Leser lernt, dass er einen Ausstieg nicht allein schaffen muss, sondern, dass ihm Hilfe zur Verfügung steht. Auf den letzten Seiten des Buches werden Anregungen gegeben und Anlaufstellen genannt.

Das Buch behandelt ein aktuelles Thema zum Rechtsextremismus. Gerade in den letzten Jahren wird der Aufschwung des rechten Gedankenguts mit Besorgnis beobachtet. Die Pegida-Demonstrationen sind nur ein Beispiel. Somit beschäftigt sich der junge Leser mit gegenwärtigen Themen.

Das Buch eignet sich auch als Klassenlektüre. Die Schüler werden so für das Thema sensibilisiert. Der Arena Verlag stellt für Lehrer und Interessierte Unterrichtsmaterialien zur Verfügung.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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