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Bella Ciao

Autor / Illustrator: Maurizio A. C. Quarello
Seitenzahl: 96
Erscheinungsjahr / Verlag: Jacoby & Stuart Berlin 2017
ISBN: 9783946593263
Preis: 20,00
Genre: Comic / Graphic Novel
Thema: Krieg / Nationalsozialismus
Zielgruppe:

Kurze Inhaltsangabe

In sehr beeindruckenden Bildern ohne Worte erleben wir die Befreiung Turins von den deutschen Truppen und den italienischen Faschisten im Mai 1945 durch Partisanen. 

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Der Titel des Buches spielt auf ein italienisches Lied der Partisanen an, das im Anhang nach den kurzen Annotationen zum geschichtlichen Hintergrund der Geschichte abgedruckt ist (vgl. zum Beispiel Hannes Wader in: ... singt Arbeiterlieder, 1977). Ansonsten kommt das Buch ohne Text aus, die Bilder sprechen für sich. Sie sind wie in einem Comic in je unterschiedlichen Panels angeordnet und haben je einen abgrenzenden Rahmen. Quarello zeichnet mit dünnem Stift und flotter Feder, ohne dabei unexakt zu werden. Anschließend färbt er die Bilder mit Aquarellfarben, vorherrschende Farben sind Blautöne.

Wir befinden uns im Jahr 1945 in Norditalien. Der Süden ist bereits von den alliierten Truppen eingenommen, die Faschisten Mussolinis bilden unter dem Schutz der deutschen Nationalsozialisten einen Reststaat - auf einem Bild im Quartier der Faschisten ist "Vincere e vinceremo" (im Sinn von: "Siegen und immer nur siegen") zu sehen.

Der Autor teilt seine Geschichte, die sich auf eine Erzählung seines Großvaters beruft, in 6 Kapitel auf: Gegen die Deutschen - Die Razzia - Dem Frühling entgegen - Gegen die Faschisten - Der Aufstand - Die Befreiung. Das letzte Kapitel bezieht sich dabei auf die Befreiung Turins. Wir erleben mit, wie sich der Bauer den Partisanen anschließt, den deutschen Soldaten entkommt, wie seine Frau ihn versteckt und zwei einfache deutsche Soldaten mit Nahrung versorgt. Bestimmt denkt sie dabei an ihren eigenen Sohn, den sie leicht verwundet später in die Arme schließen wird.

Eine der Stärken der Graphic Novel ist ganz sicher, dass sie ohne Text auskommt. Das führt zwar manchmal zu sehr plakativem Ausdruck der Gemütslage der handelnden Personen, schadet aber weder dem Ablauf der Erzählung noch der Aussagekraft.

Die Geschichte moralisiert nicht, obwohl sie deutlich auf der Seite der Partisanen steht, die Soldaten werden nicht verteufelt - wohl aber die italienischen Faschisten, die Quarello auch lächerlich macht: Der ach so starke Führer der kleinen Gruppe macht sich vor Angst ins (Nacht-) Hemd.

Gerade in unserer Zeit, in der wir offensichtlich dabei sind, die Errungenschaften seit 1945 in Vergessenheit geraten zu lassen und viele hinter Bauernfängern herlaufen und ihnen zu Wahlerfolgen verhelfen, ist es wichtig, sich an diese Zeit zu erinnern, an diese Zeiten erinnert zu werden. Wie schnell ist etwas zerstört, das so lange brauchte um zu wachsen!

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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