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Die Kuh vom Eis. Neue Gedichte über Redensarten

Autor / Illustrator: Lars Ruppel, Eyke-Sören Röhrs
Seitenzahl: 96
Erscheinungsjahr / Verlag: Satyr Berlin 2017
ISBN: 9783944035857
Preis: 10,90
Genre: Lyrik
Thema: Politik Gesellschaft deutsche Sprache
Zielgruppe: Büchereigrundstock

Kurze Inhaltsangabe

Band zwei der balladesken Gedichte über Redensarten ist noch schärfer, pointierter, moralischer und aktueller - ohne den Humor für Augen und Ohren zu verlieren.

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Es sind elf Gedichte, Balladen, Kleinode, die Lars Ruppel erschafft, indem er kleine Redensarten wörtlich nimmt und eine eigene Welt dahinter sichtbar macht. Dabei bezieht er deutlich auch politische Position, stellt Politiker bloß oder in einen Zusammenhang mit der von ihm geschaffenen Situation: "Nicht einmal ein Schatten fällt ohne ein Licht / im typische moralischen Ruppelgedicht" reimt er in "Ach du grüne Neune", das mit der Strophe endet: "Das ist die Menschheit, so wie man sie kennt: / Wärmt sich am Feuer, das sich selber verbrennt. / Sie knabbert das Fleisch von der eigenen Hand. / Die Geschichte ist fertig, das Ende bekannt." Ruppel ist damit deutlich schärfer und pointierter als in seinem ersten Band (Holger, die Waldfee, Satyr Verlag 2014 - Rezensions-Adresse siehe unter "Anmerkungen").

Er stellt seine Lyrik gegen die Angst und Verdummung der Menschen ("...denn wer Angst hat, denkt nicht viel ..."), empfiehlt Geschichtsunterricht gegen sogenannte "einfache Lösungen", das "Blaue vom Himmel" gegen dreiste Lügen und konstatiert: "Hass beginnt, / wo Liebe endet".

Jedes der elf Gedichte wird von schwarz-weißen Illustrationen eingeleitet, Karikaturen fast, die sich einen Aspekt des folgenden Textes herausnehmen und ihn erhöhen. Die schmale, aufrecht stehende Kuh im Business-Kostüm mit der dünnen Aktentasche in der einen und einem gerollten Papier in der anderen Hand schaut uns befremdlich an. Unter dem kurzen Rock schaut ihr Euter mit den vier Zitzen fast unanständig heraus. Das ist keine Identifikationsfigur! Vor dieser Kuh müssen wir uns fürchten. Oder: Unter dem großen schwarzen Luftballon mit dem vielen Text, der die Erdteile fast verdeckt und unsere Erde karikiert, ist ein Feuerzeug. Bläst die Luft aus dem Ballon die Flamme aus? Wird das Feuer die Erde in Brand stecken? Der Grabstein schaut jedenfalls schon oben aus der Erde heraus. Er trägt ein stilisiertes f, das ziemlich viele Menschen kennen dürften.

Ruppels Gedichte sind lang (28 bis 53 vierzeilige Strophen). Die Balladen haben ihre Spannungsbögen wie in den klassischen der deutschen Literatur, sind gereimt (a-a-b-b oder auch a-b-c-b), verzichten jedoch auf ein klassisches Versmaß.

Man sollte, m u s s Lars Ruppel mindestens einmal auf der Bühne erlebt haben. Seine fast rappende Vortragsweise mit unterschiedlichen Tempi vorgetragen ziehen die Zuhörer arg in den Bann, die Fläche für die Zuhörer ist immer zu klein, der Applaus groß. Befreiendes Lachen wechselt mit höchster Zuhörer-Konzentration, die dennoch viele Feinheiten nicht aufnehmen können, da sie in hoher Geschwindigkeit und fast nebenläufig vorgetragen werden.

Gut also, dass es dieses Buch gibt, an dem auch Jugendliche ab etwa 12 Jahren schon Freude haben können. Die älteren und Erwachsene sowieso.

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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