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Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen)

Autor / Illustrator: John Green
Seitenzahl: 288
Erscheinungsjahr / Verlag: Hanser München 2017
ISBN: 9783446253131
Preis: 18,00
Genre: Erzählung / Roman
Thema: Jugend / Adoleszenz / Liebe / Philosophie
Zielgruppe: Büchereigrundstock Klassenlesestoff

Kurze Inhaltsangabe

Wieder einmal ein echter John Green: Road Movie, Teenager-Liebesgeschichte, philosophischer Tiefgang und frei von allem Kitsch. Ehrlich, überzeugend und mitreißend – zum Verlieben!

Rezension oder literaturpädagogischer Praxistipp

Colin hat es schwer. Als anerkanntes Wunderkind mit extrem hohem IQ und großem Potenzial haben seine Eltern ambitionierte Hoffnungen in ihn. Auch er selbst möchte etwas Wichtiges vollbringen und der Welt in Erinnerung bleiben. Doch ist das gar nicht so einfach, zumal Colin in zunehmendem Maße an seiner eigenen Besonderheit zu zweifeln beginnt. Hinzu kommt sein trauriges Schicksal, von allen Mädchen in seinem Leben sitzengelassen zu werden. Dass die 19 bisherigen Romanzen alle den Namen Katherine trugen, ist dabei symptomatisch für Colins Weltsicht. Vom Schmerz geplagt macht sich Colin nach seiner letzten Abfuhr mit seinem Freund Hassan auf eine Reise durch das Land, die als Katharsis dienen soll, die beide allerdings mit einer fremden Welt konfrontiert. Jenseits der Großstadt Chicago auf dem Land in Richtung Süden stranden beide im kleinen Kaff Gutshot, in dem sie bei der Textilfabrikantin Hollie und deren Tochter Lindsey unterkommen. Beide werden engagiert, mit Lindsey gemeinsam alle Menschen in Gutshot zu ihrer Haltung der Stadt gegenüber zu befragen. Neben dieser Aufgabe versucht Colin eine Theorie zu entwickeln, die anhand der Persönlichkeitsdaten zweier Menschen den Verlauf ihrer Beziehung vorhersagbar macht – und vor allen Dingen klärt, wer wen sitzenlassen wird.

John Green trifft mit seinem nüchternen aber einfühlsamen Erzählton, gepaart mit einer soliden Portion Humor und Groteske den Nerv des wohl zentralsten Problems der menschlichen Entwicklung. Die Liebe als Faszinosum wir hier wieder einmal rationalisiert, jedoch lediglich in dem Bestreben, die Unvorhersagbarkeit und Unkalkulierbarkeit des Lebens eindrücklich vor Augen zu führen. Die Charaktere sind sympathisch und auch ein klein wenig verrückt, doch alle zutiefst menschlich. In ihren eigenen Probleme gefangen agieren sie, und ihre Umgebung wird dabei zur Metapher für die individuelle Psychologie. Dabei verzichtet Green auf stereotype Vergleiche und Plattitüden. Vielmehr inszeniert er einfache Szenen, in denen er in den Begegnungen und Überlegungen der Figuren eine philosophische Tiefe erreicht, der es auch gegeben ist mitzureißen. So gelingt ihm das Kunststück, gleichzeitig federleicht – und nebenbei noch ausgesprochen unterhaltsam – zu schreiben, und dennoch literarisch-philosophische Schwergewichte zu erzeugen.

Nicht umsonst kann John Green als einer der wichtigsten aktuellen Autoren bezeichnet werden – nicht nur für Jugendliche. Das vorliegende Buch: wieder mit Nachdruck zu empfehlen!

www.ajum.de


Rezensent: AJuM
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