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Lese- und Literaturpädagogik und Sprachförderung

„Zum Erlernen sprachlicher Kompetenzen ist die Lese- und Literaturpädagogik ein Muss!“, ist Senada Lindemann überzeugt. Und kombiniert – in Absprache mit der Schulleitung – ihre Sprachförderstunden mit literaturpädagogischen Methoden. Insgesamt 14 Unterrichtsstunden Team-Teaching und Sprachförderung stehen der Lese- und Literaturpädagogin an der Birkenbachschule in Kirchardt wöchentlich zur Verfügung. Davon profitieren – neben den Kindern, die von ihr im Team-Teaching betreut werden – vor allem 24 Kinder der ersten und zweiten Klasse, die in drei Gruppen je eine Unterrichtsstunde literaturpädagogische Sprachförderung genießen.

Dienstagvormittag, 10:30 Uhr. Draußen ist es bitterkalt. Das perfekte Wetter für „Ein Schaf fürs Leben“ (Maritgen Matter / Anke Faust, Hamburg, 2003), das heute wieder auf dem Programm steht. In der letzten Woche wurde das Buch eingeführt. Das Cover weckte Neugier: Ein Wolf und ein Schaf auf einem Schlitten, geht das? Will der Wolf das Schaf nicht fressen? Gibt es überhaupt Freundschaft unter Tieren? Die Kinder erzählten, aktivierten ihr Vorwissen und wechselten hin und wieder die Perspektive, indem sie von eigenen Freundschaftserfahrungen berichteten. Senada Lindemann moderierte und begann, das Buch vorzulesen. Erfahrungsgemäß führt das bei einigen Kindern zu dem Wunsch, auch einmal vorlesen zu dürfen. Womit ein literaturpädagogisches Ziel in Erfüllung geht, das Wecken intrinsischer Lesemotivation. Senada Lindemann freut es, dass sich auch Kinder „begeistern lassen, die bisher wenig Berührungspunkte mit Literatur hatten“.

An diese Erfahrungen wird heute angeknüpft. Die Kleingruppe, gute Vorbereitung und ein breites Methodenrepertoire ermöglichen eine situationsorientierte Arbeitsweise mit den Kindern. Wenige Requisiten genügen und schon werden Wolf und Schaf in einem Rollenspiel lebendig.

Damit nicht genug. Einige Kindern äußerten den Wunsch, die Geschichte nachschreiben zu wollen, die Rollen – inklusive Erzähler – untereinander zu verteilen und in der nächsten Stunde aufzuführen. Man fragt sich, wie sich die 45 Minuten verlangsamen, damit all das in einer Schulstunde Platz findet? Zudem beschäftigt die Kinder nach wie vor die Frage, ob der Wolf das Schaf fressen will oder ob sie Freunde werden? Denn die Kinder kennen den Ausgang des Buches immer noch nicht …

Diese Frage nehmen sie mit, um ihre eigenen Hypothesen zu entwickeln und in der nächsten Woche darüber zu sprechen. Freiwillig, mit Begeisterung, der Grundlage für jedwede Form des Lernens.
Und Senada Lindemann? Sie lässt sich überraschen, für welche Variante sie sich entscheiden werden.

Zur Person:
Senada Lindemann (*1974) arbeitet seit 2011 als Sprachförderdozentin an der Birkenbachschule, einer Grund- und Werkrealschule in Kirchardt (Baden-Württemberg). Auf der Suche nach weiteren Fortbildungsmöglichkeiten wurde sie auf das literaturpädagogische Fortbildungsangebot der AIM aufmerksam. Seit November 2016 ist die Mutter von zwei Kindern zertifizierte Lese- und Literaturpädagogin (BVL).


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