Statement des Bundesverbands Leseförderung
zum Auslaufen von „Lesestart 1-2-3“
Der Bundesverband Leseförderung bedauert die Entscheidung, das Programm „Lesestart 1-2-3“ Ende 2026 auslaufen zu lassen.
Das Recht auf Lesen beginnt lange vor dem Lesenlernen. Es beginnt von Anfang an – in den ersten Lebensjahren, wenn Kinder Bilder betrachten, Geschichten hören, Fragen stellen und Sprache entdecken. Wer Kindern das Recht auf Lesen ermöglichen will, muss ihnen frühzeitig den Zugang zu ersten positiven Bucherfahrungen eröffnen.
Frühe Begegnungen mit Büchern, Geschichten und Sprache prägen die Bildungswege von Kindern und schaffen wichtige Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe und Chancengerechtigkeit. Zahlreiche Studien zeigen, dass Vorlesen und gemeinsame Bucherfahrungen die sprachliche Entwicklung von Kindern nachhaltig fördern. Besonders Familien, in denen Bücher und Vorlesen keine Selbstverständlichkeit sind, profitieren von Angeboten, die sie ohne Hürden erreichen und zum Vorlesen ermutigen.
„Lesestart 1-2-3“ erreicht Familien dort, wo nahezu alle Kinder erreicht werden können: bei den kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen. Damit ist das Programm ein wichtiger Baustein früher Bildungsförderung, der unabhängig von sozialer Herkunft, Wohnort oder Bildungshintergrund nahezu alle Familien anspricht. Kein anderes Angebot erreicht Familien so früh und so flächendeckend.
Vor dem Hintergrund aktueller Bildungsstudien, die seit Jahren auf sinkende Leseleistungen und wachsende Bildungsungleichheiten hinweisen, sehen wir das Auslaufen eines solchen Angebots mit großer Sorge. Wir begrüßen, dass das Bundesfamilienministerium die Bedeutung von Lesekompetenz betont und andere Projekte fördert. Gleichzeitig stellen wir uns die Frage, wie künftig Familien erreicht werden sollen, die bisher über „Lesestart 1-2-3“ erstmals mit Büchern und Vorleseangeboten in Kontakt kamen. Deutschland braucht nicht weniger, sondern deutlich mehr frühzeitige, verlässliche und langfristig angelegte Leseförderung. Gerade dort, wo Kinder und Familien unabhängig von Herkunft, Wohnort oder Bildungsvoraussetzungen erreicht werden können, dürfen erfolgreiche Strukturen nicht verloren gehen.
Der Bundesverband Leseförderung setzt sich deshalb weiterhin für starke, niedrigschwellige und flächendeckende Angebote der frühen Leseförderung ein. Denn jedes Kind hat das Recht, von Anfang an mit Büchern und Geschichten aufzuwachsen.